Aktualisiert: 2026
Deglycyrrhiziniertes Süßholz (DGL) ist ein Süßholzwurzelextrakt, aus dem Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde – der Bestandteil, der in größeren Mengen Blutdruck, Kaliumspiegel und Flüssigkeitshaushalt belasten kann. DGL wird vor allem zur Unterstützung der Verdauung und bei gelegentlichem Sodbrennen eingesetzt, ist aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied zu normalem Süßholz, wie DGL wirken könnte, wie sich DGL-Kautabletten, Kapseln und Flüssigpräparate unterscheiden, welche Dosierungs- und Kaufkriterien wichtig sind und welche Warnzeichen eine ärztliche Abklärung erfordern.
Was bedeutet „deglycyrrhiziniert“?
DGL steht für „deglycyrrhizinated licorice“, auf Deutsch deglycyrrhizinierte Süßholzwurzel. Bei der Herstellung wird Glycyrrhizin beziehungsweise Glycyrrhizinsäure weitgehend entfernt. Dieser natürliche Stoff macht Lakritz süß, kann bei ausreichender Menge und Dauer der Aufnahme aber den Blutdruck erhöhen, Flüssigkeit einlagern und Kalium ausschwemmen.
Ein DGL-Präparat enthält weiterhin Polyphenole und andere Extraktkomponenten der Süßholzwurzel. „Glycyrrhizinfrei“ bedeutet nicht automatisch eine vollständige Entfernung – entscheidend sind nachvollziehbare Angaben zum Restgehalt.
DGL und normales Süßholz: der sicherheitsrelevante Unterschied
| Merkmal | Normales Süßholz / Süßholzwurzel | DGL-Präparat |
|---|---|---|
| Glycyrrhizingehalt | Relevante Mengen möglich | Weitgehend entfernt, Restgehalt produktabhängig |
| Blutdruck und Kalium | Kann bei höherer oder längerer Aufnahme beeinflusst werden | Wahrscheinlich günstigeres Risikoprofil, aber nicht risikofrei |
| Typische Verwendung | Lakritzprodukte, traditionelle Anwendungen | Ergänzung bei gelegentlichem Sodbrennen und empfindlicher Verdauung |
| Worauf zu achten ist | Menge und Dauer des Verzehrs | Deklarierter DGL-Gehalt, Restgehalt, Prüfberichte |
Die Bezeichnung „DGL“ sagt noch nichts über Extraktstärke, Reinheit oder Produktqualität aus. Aussagen wie „entgiftet“ oder „ohne Nebenwirkungen“ sind keine verlässlichen Qualitätsmerkmale.
Wie DGL wirken könnte
Schleimhautschutz statt Säureneutralisation
DGL neutralisiert Magensäure nicht chemisch. In experimentellen Untersuchungen wurden Einflüsse auf die Schleimschicht und Schutzmechanismen der Magen- und Speiseröhrenschleimhaut beschrieben. Eine stabilere Schleimbarriere könnte Gewebe vor reizenden Faktoren abschirmen – dieser Mechanismus ist aber nicht mit einer klinisch belegten Heilwirkung gleichzusetzen. Auch antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften werden untersucht; Zell- und Tierdaten ersetzen jedoch keine gut kontrollierten Studien am Menschen.
Mögliche Einsatzbereiche: Sodbrennen, Reizmagen und Reflux
- Gelegentliches Sodbrennen: Einzelne, häufig kleine Untersuchungen deuten auf eine mögliche symptomatische Unterstützung bei Brennen hinter dem Brustbein oder saurem Aufstoßen.
- Reflux und GERD: Die Datenlage reicht nicht aus, um DGL als gleichwertig zu etablierten Arzneimitteln einzustufen. Eine laufende Behandlung sollte nicht eigenständig verändert werden.
- Gastritis und Reizmagen: Eine ursächliche Behandlung durch DGL ist nicht belegt. Gastritis kann unter anderem durch Helicobacter pylori, Schmerzmittel oder Alkohol entstehen – DGL beseitigt diese Ursachen nicht.
- Geschwüre: DGL ist keine Ursachentherapie; medizinische Diagnostik und Behandlung bleiben notwendig.
- Langzeitanwendung: Hochwertige Daten zur langfristigen Sicherheit fehlen weitgehend.
Erfahrungsberichte zeigen höchstens, dass manche Menschen eine Veränderung wahrnehmen – sie berücksichtigen weder Schwankungen noch Placeboeffekte oder gleichzeitige Lebensstiländerungen.
Darreichungsformen im Vergleich: DGL-Kautabletten, Kapseln und Flüssigpräparate
| Merkmal | DGL-Kautabletten / Lutschtabletten | DGL-Kapseln | Flüssigpräparate |
|---|---|---|---|
| Typische Einnahme | Häufig vor Mahlzeiten, über längere Zeit gekaut | Mit Flüssigkeit, nach Produktanleitung | Nach Dosierungsangabe, leicht messbar |
| Mögliche Vorteile | Längeres Kauen kann den direkten Kontakt mit der Mundschleimhaut erleichtern | Praktisch, wenn Geschmack, Süßungsmittel oder Zahnbelag vermieden werden sollen | Portionsgröße flexibel dosierbar |
| Worauf zu achten ist | Süßungsmittel, Aromen, Zahnbelag | DGL-Gehalt pro Kapsel, Standardisierung | Alkohol, Zucker oder Konservierungsstoffe je nach Produkt |
Kein Format ist automatisch wirksamer. Entscheidend sind der deklarierte DGL-Gehalt pro Portion, die Standardisierung, die Verträglichkeit und die Produktanleitung. Beim Preisvergleich hilft die Frage, was eine Portion im Verhältnis zum DGL-Gehalt kostet – nicht nur der Packungspreis.
Dosierung und Anwendung einordnen
Eine allgemeingültige DGL-Dosierung gibt es nicht. Auf Etiketten finden sich je nach Hersteller unterschiedliche Angaben, häufig mehrere hundert Milligramm DGL pro Einnahme, meist vor Mahlzeiten. Diese Zahlen sind keine Dosierungsempfehlung für alle: Pflanzenpulver, standardisierter Extrakt und Kautabletten-Komplexe sind nicht einfach gleichzusetzen. Die Einnahme sollte sich an der Produktanleitung orientieren und nicht eigenständig gesteigert werden.
Manche Anwender berichten bei Kautabletten über eine subjektive Besserung innerhalb von 15 bis 30 Minuten – ein Zeitraum, der nicht zuverlässig untersucht ist. Eine zeitlich begrenzte Erprobung, etwa mit Symptomtagebuch, kann mit einer Fachperson besprochen werden. Bleibt eine Besserung aus oder wird das DGL-Supplement dauerhaft nötig, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoller als eine weitere Steigerung.
DGL-Supplement kaufen: Qualitäts- und Kaufkriterien
Wer ein DGL-Supplement vergleicht, sollte weniger auf Werbeaussagen achten als auf folgende Punkte:
- Inhaltsstoff: Ist der DGL-Gehalt eindeutig pro Portion angegeben?
- Glycyrrhizin-Restgehalt: Gibt es eine nachvollziehbare Angabe zur Entfernung oder zum Restgehalt?
- Reinheit: Werden Laborprüfungen auf Schwermetalle, Pestizide und mikrobielle Belastung genannt?
- Rezeptur: Enthält das Produkt problematische Süßungsmittel, Allergene oder unnötige Zusätze?
- Herstellung: Sind Hersteller, Herkunft und Chargeninformationen transparent?
- Kosten pro Portion: Preis ins Verhältnis zum deklarierten DGL-Gehalt setzen, statt nur Packungspreise zu vergleichen.
- Werbung: Werden Heilversprechen und übertriebene Vorher-nachher-Aussagen vermieden?
Beim Vergleich von Nahrungsergänzungsmitteln und ihren Qualitätsmerkmalen sollten Zusammensetzung und Sicherheitsdaten getrennt betrachtet werden. Eine unabhängige Prüfung verbessert die Transparenz, ersetzt aber keine Arzneimittelzulassung und beweist keine Wirksamkeit.
Sicherheit, DGL-Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen
DGL wird häufig gut vertragen, kann aber Blähungen, Übelkeit, weichen Stuhl, Durchfall oder eine Verstärkung von Refluxbeschwerden auslösen. Auch Zusatzstoffe wie Zuckeralkohole können Verdauungsprobleme verursachen. Bei Hautreaktionen oder deutlicher Verschlechterung sollte die Einnahme beendet und fachlicher Rat eingeholt werden.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
- Schwangerschaft und Stillzeit: Daten unzureichend – Anwendung nur nach Rücksprache mit einer Fachperson.
- Kinder: Nicht ohne fachlichen Rat.
- Bluthochdruck, Herzschwäche, Nieren- oder Lebererkrankungen, Kaliumstörungen: Besondere Vorsicht, auch wenn DGL weniger Glycyrrhizin enthält.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Zu DGL zusammen mit Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol oder Pantoprazol, H2-Blockern oder Antazida gibt es keine ausreichenden Daten für eine pauschale Kombinationsempfehlung. Regelmäßige Medikation sollte mit Arzt oder Apotheke abgestimmt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt Diuretika, Blutdruck- und Herzmedikamenten, Kortison sowie Mitteln, die den Kaliumspiegel verändern. DGL darf nicht eigenständig zum Ausschleichen eines Protonenpumpenhemmers verwendet werden – eine vermeintliche Besserung ist kein Beleg dafür, dass eine verordnete Behandlung nicht mehr benötigt wird.
DGL im Vergleich zu anderen Ansätzen bei Reflux
Antazida neutralisieren Säure kurzfristig, Alginate bilden eine physikalische Barriere, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer reduzieren die Säureproduktion, während DGL eher als möglicher Schleimhautschutz eingeordnet wird. Diese Ansätze behandeln nicht dieselbe Ursache. Lebensstilmaßnahmen – kleinere Mahlzeiten, Abstand zwischen Abendessen und Schlaf, erhöhte Schlafposition, Gewichtsmanagement bei Übergewicht – können bei gelegentlichen Beschwerden ebenfalls helfen.
Weitere ergänzende Mittel wie Aloe vera, Ulmenrinde oder Flohsamenschalen sind unterschiedlich gut untersucht. „Natürlich“ bedeutet weder wirksamer noch automatisch frei von Wechselwirkungen; eine sachliche Einordnung von Supplementen und Sicherheitsfragen bleibt wichtig.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Warnzeichen beenden jeden Selbstversuch: Blut im Erbrochenen, schwarzer oder teerartiger Stuhl, Schluckbeschwerden, anhaltendes Erbrechen, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, zunehmende Schmerzen oder Fieber. Brustschmerzen mit Atemnot, Schweiß, Schwindel oder Ausstrahlung in Arm, Rücken oder Kiefer können auf ein Herz- oder Lungenproblem hinweisen und erfordern sofortige medizinische Hilfe – sie dürfen nicht als Sodbrennen abgetan werden.
Häufige Fragen zu deglycyrrhiziniertem Süßholz
Was ist eine deglycyrrhizinierte Süßholzwurzel?
Ein Süßholzwurzelextrakt, aus dem Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde. Er wird meist als Kautablette, Kapsel oder Flüssigpräparat angeboten. Die Entfernung reduziert ein wichtiges Risiko von normalem Süßholz, macht das Produkt aber nicht automatisch risikofrei.
Ist DGL frei von Nebenwirkungen?
Nein. Möglich sind Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder eine Verschlechterung von Refluxbeschwerden. Bei deutlichen Beschwerden sollte das Präparat abgesetzt und medizinischer Rat eingeholt werden.
Wie viel Glycyrrhizin ist sicher?
Das hängt von Menge, Dauer, Produkt und individueller Gesundheit ab. Grenzwerte für Glycyrrhizin gelten vor allem für Lebensmittel und Lakritzprodukte; bei DGL-Präparaten sollte der deklarierte Restgehalt geprüft werden. Bei Unsicherheit hilft eine Apotheke weiter.
Kann DGL bei Sodbrennen und GERD helfen?
DGL kann bei manchen Menschen Beschwerden möglicherweise lindern, die Studienlage ist aber nicht robust genug für eine allgemeine Empfehlung. Bei diagnostiziertem Reflux sollte es höchstens ergänzend nach fachlicher Rücksprache eingesetzt werden.
Wie schnell wirkt DGL?
Einige Anwender berichten bei Kautabletten über eine subjektive Wirkung innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Dieser Zeitraum ist nicht zuverlässig untersucht und gilt nicht für alle Produkte oder Personen.
Ist DGL für die Nieren unbedenklich?
DGL ist wahrscheinlich weniger problematisch als normales Süßholz, aber für Menschen mit Nierenerkrankungen keine uneingeschränkt sichere Option. Produkt, Restgehalt und Begleitmedikation sollten vor der Einnahme fachlich geprüft werden.
Welche Darreichungsform ist am besten?
Eine allgemein beste Form gibt es nicht. DGL-Kautabletten erleichtern den Kontakt mit der Mundschleimhaut, Kapseln sind geschmacksneutral und Flüssigpräparate leicht dosierbar. Entscheidend bleiben DGL-Gehalt, Reinheit, Verträglichkeit und eine klare Anwendung.
Das Wichtigste in Kürze
- DGL ist ein Süßholzwurzelextrakt ohne weitgehendes Glycyrrhizin und damit wahrscheinlich verträglicher als normales Lakritz.
- DGL neutralisiert Magensäure nicht direkt und ist kein Ersatz für eine Refluxbehandlung.
- Ein möglicher Schleimhautschutz ist plausibel, klinisch aber nur begrenzt belegt.
- Produktqualität, Glycyrrhizin-Restgehalt und transparente Prüfungen sind entscheidend.
- Bei Schwangerschaft, Nieren-, Herz- oder Blutdruckerkrankungen und regelmäßiger Medikation ist fachlicher Rat wichtig.
- Warnzeichen und anhaltende Beschwerden erfordern medizinische Abklärung.