Nachtkerzenöl und Östrogenspiegel: Was sagt die Wissenschaft wirklich? (Evidence-Based)

Aktualisiert: September 26, 2026Topvitamine
Nachtkerzenöl (EPO) wird häufig bei PMS, Wechseljahren und für die Hautgesundheit eingenommen, doch seine Wirkung auf Östrogen ist umstritten. Während einige Quellen behaupten, es habe schwache östrogene Eigenschaften, zeigen klinische Studien keine konsistente oder signifikante Erhöhung des Östrogenspiegels. Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Erkenntnisse, erklärt die Begriffe und hilft Ihnen zu entscheiden, ob EPO für Ihre hormonelle Gesundheit geeignet ist.
Does Evening Primrose Oil Raise Estrogen Levels? (Evidence-Based) - Topvitamine

Nachtkerzenöl wird seit Jahrzehnten bei PMS, Wechseljahren und Brustspannen eingesetzt – und immer wieder steht die Frage im Raum, ob es den Östrogenspiegel beeinflusst. Dieser Artikel fasst zusammen, was die Forschung tatsächlich über Nachtkerzenöl und Östrogen aussagt: Wie das Öl zusammengesetzt ist, welche Mechanismen eine östrogenartige Wirkung vermuten lassen, was Studien zu Östradiol, FSH und LH zeigen und wo die Evidenz Grenzen hat. Zudem erfahren Sie, welche Aspekte bei hormonempfindlichen Erkrankungen relevant sind, wie eine sinnvolle Einnahme aussieht und welche Wechselwirkungen Sie kennen sollten.

Was ist Nachtkerzenöl und warum wird es mit Hormonen in Verbindung gebracht?

Herkunft und Zusammensetzung: Gamma-Linolensäure und Omega-6-Fettsäuren

Nachtkerzenöl wird aus den Samen der Nachtkerze (Oenothera biennis) gewonnen. Sein zentraler Inhaltsstoff ist die Gamma-Linolensäure (GLA), eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure. GLA ist ein Ausgangsstoff für Prostaglandine – körpereigene Botenstoffe, die an Entzündungsprozessen, Blutgerinnung und Gefäßspannung beteiligt sind. Typischerweise enthält das Öl zwischen 7 und 10 Prozent GLA, begleitet von Linolsäure und geringen Mengen weiterer Fettsäuren.

Der hormonelle Ruf des Öls entsteht weniger durch direkte Wirkstoffe als durch die Kombination zweier Dinge: Zum einen beeinflussen Prostaglandine gefäßbezogene und schmerzbezogene Prozesse, die etwa bei Brustspannen eine Rolle spielen. Zum anderen schildern Anwenderinnen immer wieder Veränderungen des Zyklus oder der Beschwerden, die als hormonelle Wirkung interpretiert werden – ohne dass daraus ein Einfluss auf die Östrogenspiegel folgt.

Typische Anwendungsgebiete

Traditionell und in der Naturheilkunde wird Nachtkerzenöl bei prämenstruellen Beschwerden, Brustspannen (Mastodynie), Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen sowie bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis eingesetzt. In der Reizhaut- und Pflegekosmetik ist es ebenfalls verbreitet. Die therapeutische Evidenz variiert je nach Anwendung erheblich: Sie reicht von teilweise widersprüchlichen Studien bei PMS bis zu insgesamt unbefriedigender Datenlage bei Hitzewallungen.

Östrogen verstehen: Wirkung, Rezeptoren und Hormonbalance

Östrogene – allen voran Östradiol – sind zentrale Geschlechtshormone mit Wirkungsspektrum über Zyklus, Knochen, Haut, Gefäße und Gehirn. Sie entfalten ihre Wirkung, indem sie an Östrogenrezeptoren (ERα und ERβ) binden, die wiederum die Aktivität zahlreicher Gene steuern. Der Spiegel unterliegt im Zyklus natürlichen Schwankungen; entscheidend ist auch das Verhältnis zu Progesteron, insbesondere in der zweiten Zyklushälfte.

Der Begriff „Östrogendominanz" beschreibt eine Situation, in der Östrogenwirkung relativ zum Progesteron im Vordergrund steht. In der Populärliteratur wird sie mit Brustspannen, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen und unregelmäßigen Zyklen in Verbindung gebracht. Wichtig ist: Solche Symptome sind unspezifisch und können viele Ursachen haben – von Schilddrüsenveränderungen über Stress bis zu harmlosen hormonellen Schwankungen. Eine Östrogendominanz lässt sich nicht an Symptomen allein ablesen.

Erhöht Nachtkerzenöl tatsächlich die Östrogenspiegel? Die direkte Antwort

Die kurze Antwort lautet: Nein – Studien haben bislang nicht gezeigt, dass Nachtkerzenöl die Östrogenspiegel im Blut nennenswert oder konsistent erhöht. Kontrollierte Untersuchungen, die Östradiol, FSH und LH gemessen haben, fanden überwiegend keine signifikanten Veränderungen dieser Hormonwerte, auch bei mehrwöchiger Einnahme. Die Hormonachse zwischen Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Eierstöcken wurde in diesen Studien nicht messbar verändert.

Der entscheidende Unterschied liegt im Wort „östrogenartig". Manche Pflanzenstoffe (Phytoöstrogene) können in sehr schwachem Ausmaß an Östrogenrezeptoren andocken und dort eine leicht östrogene oder teils sogar antiöstrogene Wirkung entfalten – das ist etwas anderes als eine Erhöhung des Östrogenspiegels im Blut. Für Nachtkerzenöl selbst ist eine Rezeptorwirkung in Tier- und Zellmodellen vereinzelt diskutiert worden, ein klarer Mechanismus beim Menschen ist jedoch nicht belegt. „Östrogenartige Effekte" in vorläufigen Modellen bedeuten nicht, dass das Öl die Östrogenproduktion steigert.

Mögliche Mechanismen: Warum der Eindruck einer östrogenartigen Wirkung entstehen kann

GLA, Prostaglandine und entzündungshemmende Prozesse

Die plausibelste Erklärung für positive Anwendererfahrungen verläuft über die Fettstoffwechselwege: GLA wird im Körper zu Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA) umgesetzt, aus der entzündungsmindernde Prostaglandine der 1er-Serie entstehen. Über diesen entzündungsbezogenen Weg könnten Beschwerden wie Brustspannen oder menstruationsassoziierte Beschwerden gemildert werden – unabhängig von jeder Östrogenwirkung.

Ein weiterer Punkt betrifft die Enzymsystematik: Die Umsetzung von GLA zu DGLA läuft über die Enzyme FADS1 und FADS2, deren Aktivität genetisch variiert. Menschen mit bestimmten Varianten dieser Enzyme mögen unterschiedlich gut auf GLA-Zufuhr reagieren. Solche Hinweise stammen vor allem aus Grundlagenforschung; konkrete Empfehlungen je Genotyp gibt es bislang nicht.

Tierstudien, Humanstudien und die Frage der Dosierung

In einigen Tier- und Zelluntersuchungen wurden östrogenartige Aktivitäten oder Einflüsse auf hormonrelevante Gewebe beschrieben. Solche Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen, da Dosierungen, Stoffwechselwege und Rezeptorausstattung sich deutlich unterscheiden. Humanstudien zur Brustschmerz- und PMS-Therapie mit Nachtkerzenöl zeigten überwiegend keine hormonellen Verzeichnungen – einige Studien verfeinerten die Symptomdaten, andere fanden gegenüber Placebo keinen Unterschied.

Dosierungsabhängige Effekte sind ein weiteres Thema: Während geringe Mengen (rund 1 g Öl täglich) vor allem die Fettstoffwechselbasis beeinflussen, prüften Hochdosisstudien (bis etwa 8 g täglich) stärkere Effekte auf Entzündungsmarker. Auch dort blieben reproduzierbare Veränderungen der weiblichen Sexualhormone aus. Es bleibt ein Forschungsbedarf; ein klares dosisabhängiges Östrogeneffektmuster ist nicht dokumentiert.

Nachtkerzenöl bei hormonempfindlichen Erkrankungen: Risiken und Sicherheit

Brustkrebs, Eierstockkrebs und Endometriose

Bei hormonempfindlichen Erkrankungen – darunter brustkrebsdiagnostische Vorfindungen, Eierstockkrebs oder Endometriose – gilt besondere Vorsicht mit allen Stoffen, deren hormonelle Wirkungsrichtung unklar ist. Da Nachtkerzenöl in Laboruntersuchungen vereinzelt östrogenartige Aktivität gezeigt hat, sollten Betroffene die Einnahme vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen, insbesondere während einer Krebstherapie oder nach einer solchen.

Dasselbe gilt für Myome und polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Für PCOS existieren einzelne Studien zur Stoffwechselwirkung von Nachtkerzenöl, etwa zu Insulin- und Blutwerten, mit kleinen Stichproben und gemischten Ergebnissen. Eine Wirkung auf den Hormonhaushalt bei PCOS ist nicht belegt. Myome wachsen östrogenabhängig; hier empfiehlt sich ebenfalls ärztliche Rücksprache, bevor Ergänzungen mit potenziell hormonrelevanten Substanzen eingenommen werden.

Wechseljahre und PMS: Wie gut ist die Evidenz?

Bei Brustspannen (zyklischer Mastodynie) liegen einige kleinere, ältere Studien mit teils positiven, teils neutralen Ergebnissen vor; die Gesamtevidenz bleibt begrenzt. Für Hitzewallungen in den Wechseljahren ist die Datenlage schwach – hochwertige kontrollierte Studien fanden überwiegend keinen überzeugenden Vorteil gegenüber Placebo. Bei PMS sind die Ergebnisse widersprüchlich; überzeugende Wirksamkeit ist nicht gut belegt. Eine fundierte Grundlage bleibt GLA-Datenlage vor allem bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, wo ein moderater, symptombezogener Effekt diskutiert wird.

Nachtkerzenöl richtig einnehmen: Dosierung, Dauer und Monitoring

Typische Dosierungen in Studien bewegen sich je nach Zielsetzung zwischen etwa 1 und 8 g Öl täglich, entsprechend zirka 100 bis 800 mg GLA. Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht; die Einnahme sollte sich am Produkt und an ärztlicher oder ernährungstherapeutischer Beratung orientieren. Angesetzt wird meist über mehrere Wochen bis Monate. Bei fehlender Wirkung über zwei bis drei Zyklen spricht wenig für eine Fortsetzung mit derselben Fragestellung.

Wer hormonbezogene Beschwerden begleiten möchte, kann ein einfaches Symptomtagebuch führen: Zyklustag, Beschwerdeintensität (z. B. Brustspannen, Kopfschmerzen, Stimmung, Schlaf), eventuelle Nebenwirkungen und Beginn oder Ende der Einnahme. So lässt sich besser beurteilen, ob sich etwas verändert hat – oder ob eine zufällige Schwankung des Zyklus dafür verantwortlich ist. Solche Selbstbeobachtung ersetzt keine Diagnostik, unterstützt aber das Gespräch mit medizinischem Fachpersonal.

Ein Hormontest oder Blutbild kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden stark sind, untypisch verlaufen oder über Monate anhalten – etwa wiederholte Zyklusstörungen, starke Blutungen, unerklärte Müdigkeit oder Wachstumstendenzen bei Myomen. Hier können Östradiol, Progesteron (zyklusphasenbezogen), Schilddrüsenwerte und Blutbild zusammen betrachtet werden. Ob und wann getestet wird, entscheidet die ärztliche Abklärung; ein Supplement allein ist dafür kein Auslöser.

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nachtkerzenöl gilt in üblichen Dosierungen als gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind milde Magenbeschwerden, Kopfschmerzen oder weiche Stühle. Wichtig sind die Wechselwirkungen und Warnkonstellationen: Bei Einnahme von Blutverdünnern (z. B. Phenprocoumon, ASS in höheren Dosen) kann das Blutungsrisiko theoretisch erhöht sein; auch Blutdruckmedikamente und Mittel aus der Gruppe der SSRI wurden im Zusammenhang mit Komplikationen diskutiert – insbesondere wegen einzelner Fallberichte zu Krampfanfällen bei gleichzeitiger Einnahme von Nachtkerzenöl und Phenothiazinen oder SSRI bei anfallsgefährdeten Personen.

  • Menschen mit bekannter Anfallsschwelle oder Epilepsie sollten Nachtkerzenöl nicht ohne Rücksprache einnehmen.
  • In der Schwangerschaft wird Nachtkerzenöl allgemein nicht empfohlen; in der Stillzeit gilt Zurückhaltung.
  • Vor geplanten Operationen wird die Einnahme häufig pausiert, da das Blutungsrisiko beeinträchtigt sein könnte.
  • Bei hormonempfindlichen Erkrankungen oder aktueller Hormontherapie (etwa HRT) ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Wer regelmäßig Vitamine oder Präparate nutzt, kann einen Überblick über Zusammensetzung und Wechselwirkungen zum Beispiel in einem allgemeinen Leitfaden zu Multivitamin-Präparaten nachlesen; auch dort gilt: Qualität und Dosierung der Produkte variieren stark. Ein solcher Vergleich hilft, Doppel- oder Überschussversorgung zu vermeiden, wenn mehrere Präparate parallel eingenommen werden.

Expertenmeinungen und medizinische Leitlinien

Internationale Fachgesellschaften und Endokrinologen bewerten Nachtkerzenöl nicht als Therapie der Wahl bei hormonerkrankungsbezogenen Beschwerden. Für Hitzewallungen empfehlen Leitlinien (z. B. der North American Menopause Society, bei uns in Deutschland unter anderem die S3-Leitlinie zu Wechseljahresbeschwerden) primär nicht-hormonelle Strategien und gegebenenfalls eine ärztlich begleitete Hormontherapie; Pflanzenpräparate und GLA-Quellen spielen eine Nebenrolle. Naturheilkundliche Ansätze werden teils als Ergänzung gesehen, aber nicht als Ersatz für diagnostische Abklärung.

In der gynäkologischen Praxis werden Nachtkerzenöl-Anwendungen gelegentlich im Rahmen eines Prüfungsschemas empfohlen: kurzzeitig, mit definiertem Ziel und Abbruchkriterium, wenn nach zwei bis drei Zyklen kein Nutzen spürbar ist. Diese pragmatische Haltung spiegelt die wissenschaftliche Realität wider – begrenzte Evidenz, geringes Nebenwirkungspotenzial, aber auch keine gesicherte hormonelle Wirkung.

Alternativen: Andere GLA-Quellen und phytoöstrogenreiche Lebensmittel

Borretschöl enthält mit etwa 17 bis 25 Prozent deutlich mehr GLA als Nachtkerzenöl, Johannisbeerkernöl liegt etwa im Bereich von Nachtkerzenöl (rund 8 bis 11 Prozent), Schwarzkümmelöl enthält hingegen vor allem Linolsäure und Thymochinon, aber praktisch keine GLA. In Studien zur Brustspanne- und Dermatitistherapie wurden Borretsch- und Nachtkerzenöl vergleichbar geprüft; ohne dass eine klare Überlegenheit dokumentiert wäre. Wahlentscheidungen sollten Verfügbarkeit, Verträglichkeit und ärztliche Beratung berücksichtigen.

Wer pflanzliche, milde östrogenartige Wirkstoffe interessiert, findet sie in Form von Isoflavonen (Soja, Rotklee), Lignanen (Leinsamen) oder Coumestrolen (Kleekeimlinge). Diese Phytoöstrogene binden vorwiegend an ERβ und wirken je nach Hormonsituation schwach östrogen oder schwach antiöstrogen. Für die Ernährung gilt: ein gemischtes Muster mit Gemüse, Vollkornprodukten, Quellen von Omega-3-Fettsäuren und moderaten Sojaprodukten ist ein bewährter Grundbaustein. Eine klinisch messbare Erhöhung der Östrogenspiegel durch solche Lebensmittel ist nicht zu erwarten.

Erfahrungsberichte: Was Anwenderinnen berichten

Anwenderinnen schildern regelmäßig Verbesserungen bei Brustspannen, einem ruhigeren Zyklusgefühl und besserer Haut – aber ebenso häufig, dass sich nichts verändert hat. Solche Berichte sind wertvoll als Hinweisgeber, aber methodisch anfällig: Der Zyklus schwankt natürlicherweise, Placebo-Effekte sind bei Beschwerden mit subjektiver Komponente groß, und die gleichzeitige Einnahme anderer Präparate oder Lebensstiländerungen bleibt oft unberücksichtigt.

Anekdotische Evidenz kann also suggerieren, was kontrollierte Studien nicht bestätigen. Eine ausgewogene Haltung lautet: Wenn Beschwerden leicht sind und keine Risikokonstellation besteht, ist ein zeitlich begrenzter Selbsttest mit Symptomtagebuch vertretbar. Bei deutlichen, sich verschlechternden oder untypischen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung der erste Schritt – nicht eine höhere Dosis oder ein anderes Präparat.

Wichtige Erkenntnisse

  • Nachtkerzenöl erhöht in Studien nicht konsistent die Östrogenspiegel im Blut.
  • „Östrogenartige Aktivität" in Tier- oder Zellmodellen ist nicht dasselbe wie eine Erhöhung des Östrogenspiegels.
  • Die Hauptwirkung von GLA verläuft vermutlich über Prostaglandine und Entzündungsprozesse, nicht über die Hormonachse.
  • Evidenz für PMS, Brustspannen und Hitzewallungen ist begrenzt und widersprüchlich.
  • Bei hormonempfindlichen Erkrankungen sollte die Einnahme vorab ärztlich besprochen werden.
  • Wichtige Vorsichtshinweise betreffen Blutverdünner, SSRI, Krampfanfallsrisiko und Schwangerschaft.
  • Ein Symptomtagebuch hilft, echte Veränderungen von Zufallsschwankungen zu unterscheiden.
  • Anhaltende oder schwere Beschwerden erfordern eine ärztliche Abklärung statt Selbstbehandlung.

Häufig gestellte Fragen

Welches Hormon erhöht Nachtkerzenöl?

Studien zeigen keinen konsistenten Anstieg eines spezifischen Hormons durch Nachtkerzenöl – weder Östradiol noch Progesteron noch die Botenstoffe FSH und LH. GLA kann über Prostaglandine Entzündungsprozesse beeinflussen. In Voruntersuchungen wurde vereinzelt östrogenartige Aktivität beschrieben, ein messbarer Effekt auf die Hormonspiegel beim Menschen ist nicht belegt.

Was passiert, wenn ich täglich Nachtkerzenöl einnehme?

Eine tägliche Einnahme über mehrere Wochen gilt in üblichen Dosierungen als gut verträglich. Bei langfristiger Anwendung können Blutgerinnung und Blutdruck theoretisch beeinflusst werden, und Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Bei hormonempfindlichen Erkrankungen, Blutverdünnern oder geplanten Operationen ist vorherige ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Welche Nachteile hat Nachtkerzenöl?

Häufige Nachteile sind milde Magenbeschwerden, Kopfschmerzen oder weiche Stühle. Wichtiger sind potenzielle Risiken: erhöhtes Anfallsrisiko bei anfallskranken Personen, mögliche Wechselwirkung mit Blutverdünnern und die Nichtempfehlung in der Schwangerschaft. Bei hormonempfindlichen Krebserkrankungen sollte die Einnahme ärztlich abgeklärt werden, bevor sie beginnt.

Was bewirkt Nachtkerzenöl im weiblichen Körper?

Nachtkerzenöl liefert GLA, eine Omega-6-Fettsäure, die im Körper zu entzündungsmindernden Prostaglandinen umgesetzt wird. Es wird bei PMS, Brustspannen, Wechseljahresbeschwerden und Hautproblemen eingesetzt, die Evidenz ist je nach Anwendung unterschiedlich gut. Eine direkte hormonelle Wirkung auf den Östrogenspiegel ist nicht nachgewiesen.

Kann Nachtkerzenöl bei Östrogendominanz helfen?

Für eine gezielte Wirkung bei Östrogendominanz gibt es keine belastbaren Daten. Das Öl scheint die Östrogenspiegel nicht zu erhöhen, ob es das Östrogen-Progesteron-Verhältnis beeinflusst, ist nicht untersucht. Östrogendominanz lässt sich nicht an Symptomen erkennen; eine ärztliche Diagnostik ist der sinnvollste erste Schritt.

Ist Nachtkerzenöl ein Phytoöstrogen?

Nein, Nachtkerzenöl ist kein klassisches Phytoöstrogen wie Soja-Isoflavone oder Lignane. Es besteht aus Triglyceriden von Omega-6-Fettsäuren, vor allem Linolsäure und GLA. Dass Laboruntersuchungen vereinzelt östrogenartige Aktivität beschreiben, liegt möglicherweise an Begleitstoffen oder indirekten Mechanismen und ist klinisch nicht gesichert.

Wie lange dauert es, bis Nachtkerzenöl wirkt?

In Studien wurden Wirkungszeiträume von etwa vier bis zwölf Wochen geprüft. Da GLA in Zellmembranen und Prostaglandinstoffwechsel schrittweise eingebaut wird, ist eine frühe Wirkung unwahrscheinlich. Wer nach zwei bis drei Zyklen keinen Unterschied im Symptomtagebuch sieht, kann die Einnahme mit geringem Erwartungsdruck absetzen.

Darf ich Nachtkerzenöl während der Einnahme der Pille verwenden?

Es gibt keine Hinweise, dass Nachtkerzenöl die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigt, da es die Östrogenspiegel nicht messbar erhöht. In der Schwangerschaft wird es dagegen nicht empfohlen. Bei Unsicherheit oder bei zusätzlichen Medikamenten lohnt sich eine kurze Rücksprache mit der Gynäkologin oder dem Apotheker.

Kann Nachtkerzenöl die Schilddrüse beeinflussen?

Zu Einflüssen auf Schilddrüsenhormone (T3/T4) oder thyreoidales Bindungsprotein gibt es keine aussagekräftigen Humanstudien. Ein messbarer Effekt auf die Schilddrüsenfunktion ist nicht dokumentiert. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen oder -medikation sollten ohnehin alle Nahrungsergänzungsmittel ärztlich besprechen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Sollte ich vor der Einnahme meine Hormone testen lassen?

Eine Hormonbestimmung vor einer Supplementeinnahme ist nicht grundsätzlich nötig, aber sinnvoll, wenn Beschwerden stark, unregelmäßig oder untypisch sind. Zyklusphasenabhängige Werte wie Östradiol, Progesteron, FSH und Schilddrüsenparameter gehören in ärztliche Beurteilung. Ein Supplement ist kein Diagnoseinstrument, und Laborwerte sollten immer im klinischen Kontext gedeutet werden.

Fazit

Die Kernbotschaft ist klar: Nachtkerzenöl erhöht die Östrogenspiegel nach heutigem Kenntnisstand nicht messbar. Die vermutete Wirkung läuft über GLA, Prostaglandine und entzündliche Prozesse, nicht über eine Steigerung der Östrogenproduktion. Vorläufige Hinweise auf östrogenartige Aktivität stammen überwiegend aus Tier- und Zellstudien und erlauben keine Aussage über den Menschen. Für PMS, Brustspannen und Hitzewallungen bleibt die Evidenz begrenzt; Nebenwirkungen sind selten, aber Wechselwirkungen und Risikogruppen verdienen Aufmerksamkeit.

Ergänzungen wie Nachtkerzenöl können eine begleitende Option sein, wenn die Grundlage – ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, guter Schlaf – stimmt, und sie ersetzen weder normale Ernährung noch medizinische Abklärung. Jeder Körper reagiert anders; was bei einer Person Beschwerden lindert, kann bei einer anderen wirkungslos bleiben. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden ist der Weg zur ärztlichen Diagnostik immer der erste Schritt – ergänzende Maßnahmen folgen danach, mit realistischen Erwartungen.

Relevante Begriffe

Nachtkerzenöl und Östrogen, Gamma-Linolensäure, GLA, Omega-6-Fettsäuren, Östradiol, Östrogenrezeptoren, Östrogendominanz, Phytoöstrogene, Wechseljahre, PMS, Hitzewallungen, Brustspannen, Endometriose, PCOS, Myome, Prostaglandine, Borretschöl, Symptomtagebuch

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