L-Theanin gegen Angst und Schlafstörungen: Der wissenschaftliche Ratgeber 2026 richtet sich an alle, die verstehen möchten, wie diese Aminosäure aus dem Grüntee auf innere Unruhe und Schlafqualität wirken kann. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Mechanismen die Forschung untersucht, was klinische Studien tatsächlich zeigen – und wo die Evidenz noch lückenhaft ist. Wir erläutern konkrete Dosierungsansätze, den passenden Einnahmezeitpunkt, sinnvolle Wirkstoffkombinationen und Sicherheitsaspekte. Da Angstsymptome und Schlafprobleme vielfältige Ursachen haben können, hilft das Wissen um die Grenzen und Möglichkeiten von L-Theanin dabei, realistische Erwartungen zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Was ist L-Theanin? Die Aminosäure, die Ihr Gehirn beruhigen kann
L-Theanin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, die nahezu ausschließlich in den Blättern des Teestrauchs (Camellia sinensis) vorkommt. Eine Tasse Grüntee enthält typischerweise 20 bis 45 mg. Als Nahrungsergänzungsmittel wird sie meist durch Fermentation oder biochemische Extraktion gewonnen und ist auch als isolierter Reinstoff verfügbar. Chemisch ist L-Theanin eng verwandt mit Glutamat, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn, was für seine Wirkweise zentral ist.
Studien deuten darauf hin, dass L-Theanin die Produktion von Alphawellen im Gehirn anregen kann. Diese elektrischen Schwingungen werden typischerweise in Zuständen wachsamer Entspannung beobachtet – etwa beim ruhigen Meditieren oder entspannten Lesen. Entscheidend ist: Diese Entspannung tritt nach bisherigen Erkenntnissen ohne sedierende Wirkung auf. Nutzer berichten häufig von einer „ruhigen Wachheit" statt Müdigkeit, was L-Theanin von klassischen Beruhigungsmitteln unterscheidet.
L-Theanin im Grüntee: natürliches Vorkommen und Gewinnung
Neben dem Grüntee ist L-Theanin auch in geringeren Mengen in Schwarztee und bestimmten Pilzen nachweisbar. Da die Menge in einer Tasse Tee für messbare Effekte auf Angst oder Schlaf vermutlich zu gering ist, verwenden wissenschaftliche Untersuchungen üblicherweise isolierte Präparate mit deutlich höheren Dosen. Wichtig zu wissen: L-Theanin gilt als gut verträglich, aber konzentrierte Extrakte aus grünem Tee enthalten zusätzlich Koffein und EGCG, was zu weniger sinnvollen Kombinationen führen kann.
Wie wirkt L-Theanin auf Angst und Schlaf? Der Wirkmechanismus
Die Forschung vermutet, dass L-Theanin über mehrere Neurotransmitter-Systeme wirkt. Ein zentraler Angriffspunkt ist das Glutamat-System: Als strukturell ähnliche Verbindung kann L-Theanin an Glutamat-Rezeptoren binden und überschießende neuronale Erregung potenziell dämpfen. Zudem gibt es Hinweise auf eine Unterstützung des GABA-Systems, des wichtigsten hemmenden Botenstoffsystems im zentralen Nervensystem, sowie auf eine mögliche Beeinflussung der Serotonin- und Dopamin-Spiegel.
Ein wichtiger Unterschied: L-Theanin ist kein klassisches Schlafmittel. Die untersuchten Studien zeigen häufig keine direkte Sedierung, sondern eine Förderung der sogenannten Entspannungsreaktion – das Gegenteil der Stressreaktion. Dies kann sich indirekt auf den Schlaf auswirken, indem abendliche Anspannung und kreisende Gedanken reduziert werden. Menschen mit deutlicher Schlafstörung, die primär von „einer Müdigkeit" profitieren würden, erleben mit L-Theanin möglicherweise andere Effekte als bei einem Schlaftabletten-Wirkstoff.
Auch das zentrale Nervensystem (CNS) und die Stresshormonachse könnten betroffen sein: Einige Untersuchungen deuten auf eine mögliche Reduktion der Herzfrequenz und der Stresshormonausschüttung (z. B. Cortisol) in akuten Stresssituationen hin. Diese Effekte sind vorläufig und bedürfen weiterer Forschung. Sie könnten erklären, warum manche Anwender eine angenehmere Wirkung auf Nervosität vor Prüfungen oder anspannenden Situationen beschreiben.
L-Theanin bei Angst: Was zeigt die Forschung?
Ein kritischer Punkt, den viele Artikel übersehen: Die Studienlage unterscheidet sich deutlich je nach Art des Angstzustands. Bei akuter Stressreaktion – etwa vor einer Rede, Prüfung oder in anspannenden Alltagssituationen – zeigen mehrere kontrollierte Studien Hinweise auf eine moderat beruhigende Wirkung. Bei chronischen Angsterkrankungen wie generalisierter Angststörung, Panikstörung oder sozialer Phobie ist die Evidenz deutlich begrenzter und kann keine klinische Wirksamkeit belegen.
Eine aktuelle Übersicht verschiedener klinischer Studien zeigt gemischte Ergebnisse: Manche Untersuchungen fanden eine Reduktion subjektiv empfundener Anspannung, andere keine signifikanten Unterschiede zu Placebo. Die Studiendauer ist oft kurz (einige Stunden bis wenige Wochen), die Fallzahlen klein, und die untersuchten Dosen variieren stark. Für verlässliche Aussagen zu langfristiger Anxiolytik-Wirkung fehlen bislang aussagekräftige Langzeitdaten.
L-Theanin im Vergleich zu klassischen Angstlösern wie Benzodiazepinen
Dieser Vergleich ist wichtig: Benzodiazepine und andere verschreibungspflichtige Angstlöser sind klinisch etablierte Wirkstoffe mit nachgewiesener, starker anxiolytischer Wirkung. L-Theanin kann – basierend auf der bisherigen Studienlage – mit deutlich schwächeren und langsamer einsetzenden Effekten gerechnet werden. Es gibt bislang keine Studie, die eine Gleichwertigkeit belegt. Ein Absetzen oder eine Dosisreduktion verschriebener Medikamente sollte niemals allein auf Basis von Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen, sondern immer in Absprache mit einer ärztlichen Betreuung.
Ein Vorteil von L-Theanin gegenüber Benzodiazepinen: Es wird bisher nicht als abhängigkeitsbildend oder sedierend im herkömmlichen Sinne eingestuft. Für Personen, die mild, aber nicht krankhafte Nervosität in Alltagssituationen erleben, könnte es daher als potenziell gut verträgliche Option infrage kommen – ohne dass damit eine Behandlung einer ernsthaften Angststörung ersetzt werden soll.
L-Theanin für bessere Schlafqualität: Was die Studienlage sagt
Die Forschung zu Schlafqualität ist ebenfalls noch begrenzt, aber etwas aussagekräftiger als die zu chronischer Angst. In mehreren kleineren Studien zeigten Anwender Hinweise auf eine verkürzte Einschlafzeit (Schlaflatenz) und eine subjektiv verbesserte Schlafqualität. Besonders Personen, die abends unruhig sind und von kreisenden Gedanken geplagt werden, könnten hiervon profitieren – ohne direkte Sedierung.
Interessant sind die Ergebnisse zu Schlafarchitektur: Einige Untersuchungen deuten auf eine mögliche Zunahme des Tiefschlafs und eine stabilere Schlafkontinuität hin. Die Daten zu REM-Schlaf sind widersprüchlich und noch nicht eindeutig. Ob L-Theanin über eine Beeinflussung der Melatoninproduktion oder des zirkadianen Rhythmus wirkt, ist Gegenstand aktueller Forschung und nicht abschließend geklärt.
Besonders für Männer mit chronischer Schlafstörung gibt es erste Hinweise, dass eine Kombination aus 200 mg L-Theanin mit 250 mg Magnesium gefüllt wirksam sein könnte. Diese Ergebnisse sind vorläufig. Wichtig: L-Theanin ersetzt keine ärztliche Diagnostik bei langanhaltenden oder schweren Schlafstörungen. Bei hartnäckiger Schlaflosigkeit sollten mögliche Ursachen wie Apnoe, Schilddrüsenprobleme oder psychische Belastungen ärztlich abgeklärt werden. Hilfreich ist zudem eine verständliche Einführung in die Grundlagen von Schlafhygiene.
Wann sollte man L-Theanin einnehmen? Morgens oder abends?
Die Antwort hängt vom Ziel ab. Für akute Beruhigung tagsüber – etwa vor einem anstrengenden Termin oder in einer stressigen Situation – empfiehlt die gängige Praxis eine Einnahme etwa 30 bis 60 Minuten vor dem belastenden Ereignis. Für die Unterstützung des Einschlafens wird dagegen meist eine Einnahme 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen empfohlen. Da L-Theanin nicht sedierend wirkt, bleibttagsüber die Wachheit erhalten.
Die Kombination mit Koffein: Synergie für fokussierte Ruhe
Besonders populär ist die Kombination aus L-Theanin und Koffein. Studien deuten darauf hin, dass L-Theanin möglicherweise einige unangenehme Effekte von Koffein (z. B. Nervosität, Herzklopfen) abschwächen kann, während die konzentrationsfördernde Wirkung erhalten bleibt. Viele Anwender kombinieren daher morgens ca. 100 mg L-Theanin mit Kaffee oder Grüntee für einen ruhigen, fokussierten Start in den Tag. Die wissenschaftliche Beleglage ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend.
Individuelle Faktoren spielen eine wichtige Rolle: Körpergewicht, Stoffwechsel, Koffeingewohnheiten und der persönliche Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen, wann und wie L-Theanin am besten wirkt. Einige Personen berichten von besserem Ergebnis bei Einnahme direkt vor dem Schlafengehen, andere empfinden die abendliche Einnahme als zu aktivierend. Hier lohnt sich ein vorsichtiges Ausprobieren über mehrere Tage.
Die richtige L-Theanin Dosierung für Angst und Schlaf
Die meisten klinischen Studien zu L-Theanin verwenden Dosen zwischen 200 und 400 mg pro Tag. Für eine akute Beruhigung in stressigen Situationen zeigen Studien mit 200 mg erste Wirkungshinweise. Höhere Dosen (bis 400 mg) wurden ebenfalls untersucht und gelten als gut verträglich. Es empfiehlt sich, mit einer niedrigeren Dosis (z. B. 100–200 mg) zu beginnen und die individuelle Reaktion zu beobachten.
Wochenplan: So finden Sie schrittweise Ihre optimale Dosis
Ein realistischer Ansatz zur Findung der persönlichen Dosis könnte so aussehen:
- Woche 1: Beginnen Sie mit 100–200 mg abends 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen. Beobachten Sie Einschlafzeit und Schlafqualität.
- Woche 2: Bei geringer Wirkung steigern Sie auf 200 mg, bei bereits guter Wirkung bleiben Sie bei der bisherigen Dosis.
- Woche 3–4: Falls gewünscht, testen Sie 400 mg und dokumentieren Sie die Effekte in einem kurzen Schlaftagebuch.
- Ab Woche 4: Bewerten Sie das Gesamtbild. Hilft die gewählte Dosis? Falls nicht, ist L-Theanin möglicherweise nicht der richtige Ansatz für Sie.
Wichtig: Mit einem Schlaftagebuch lassen sich Wirkungen und Nicht-Wirkungen deutlich besser einordnen. Die individuelle Reaktion auf Nahrungsergänzungsmittel kann stark variieren – was bei der einen Person wirkt, zeigt bei einer anderen möglicherweise keinen messbaren Effekt.
Wirkstoff-Kombinationen: Synergie und Sicherheit
Magnesiumglycinat wird häufig mit L-Theanin kombiniert, um die abendliche Entspannung zu unterstützen. Magnesium ist an zahlreichen neurologischen Prozessen beteiligt, und Glycin selbst wirkt als hemmender Neurotransmitter. Die Kombination gilt als gut verträglich und wird von vielen Anwendern für die Abendroutine genutzt. Weitere Mikronährstoffe wie Vitamine und Multivitaminpräparate können in einer ausbalancierten Basisversorgung sinnvoll sein, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik bei Verdacht auf einen Mangel.
L-Theanin vs. Ashwagandha – und ob sich beide kombinieren lassen
Beide Substanzen werden zur Stressreduktion genutzt, unterscheiden sich aber deutlich: L-Theanin wirkt vor allem über Neurotransmitter-Systeme im Gehirn, Ashwagandha (Withania somnifera) ist ein Adaptogen, das über die Stresshormonachse (HPA-Achse) wirken soll. Für akute Nervosität ist L-Theanin meist die erste Wahl, bei chronischer Stressbelastung wird Ashwagandha häufig bevorzugt. Beide lassen sich grundsätzlich kombinieren, wobei hierzu keine umfangreichen Sicherheitsdaten vorliegen und die individuelle Verträglichkeit beobachtet werden sollte.
Zu möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten gibt es nur begrenzte Daten. Vorsicht ist insbesondere angebracht bei:
- Blutdrucksenkern (L-Theanin kann den Blutdruck möglicherweise leicht beeinflussen)
- Sedierenden Medikamenten oder Schlafmitteln (additive beruhigende Effekte möglich)
- Stimulanzien oder Aufmerksamkeitsmedikamenten
- Chemotherapeutika und Immunsuppressiva
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme von L-Theanin vorab mit seinem Arzt oder Apotheker besprechen. Gleiches gilt für Personen mit Leber- oder Nierenerkrankungen. Als Orientierung zur Einordnung weiterer Nahrungsergänzungsmittel kann unser Ratgeber zu Vitamin D – Nutzen, Quellen und Sicherheit dienen, da die Bewertung von Sicherheit und Evidenz ähnliche Kriterien umfasst.
Schlafhygiene und L-Theanin: Ein Schritt-für-Schritt Abendprogramm
Nahrungsergänzungsmittel wirken nachweislich besser, wenn sie in ein günstiges Umfeld eingebettet sind. Eine bewährte Abendroutine könnte etwa so aussehen: Etwa 60 Minuten vor dem Schlafengehen reduzieren Sie Bildschirmzeit, dimmen das Licht und nehmen ggf. Ihre L-Theanin-Dosis ein. Ein kurzes Entspannungsritual (Atmung, Dehnen, Lesen) unterstützt die Entspannungsreaktion. Ein kühles, dunkles und leises Schlafzimmer fördert den Schlafbeginn. Koffein sollte nach dem frühen Nachmittag gemieden werden.
Warnsignale: Was tun, wenn L-Theanin nicht wirkt?
Wenn Sie über vier bis sechs Wochen keine Verbesserung feststellen, spricht das nicht automatisch gegen den Ansatz – aber es deutet darauf hin, dass Ihre Schlaf- oder Angstprobleme möglicherweise andere Ursachen haben, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Achten Sie auf Warnsignale wie: stark eingeschränkte Alltagsfunktion, Depressionssymptome, langanhaltende Schlaflosigkeit über mehrere Monate oder zunehmende Abhängigkeit von Hilfsmitteln zum Einschlafen. In diesen Fällen ist eine fachliche Abklärung durch eine:n Ärztin oder Psychotherapeut:in wichtig.
Fallbeispiel: Von nächtlicher Unruhe zu tieferer Erholung
Stellen wir uns Frau M. (42) vor: Seit Monaten liegt sie abends wach, kreisende Gedanken lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Sie beginnt mit 200 mg L-Theanin 45 Minuten vor dem Schlafengehen, kombiniert mit einer neu eingeführten Abendroutine ohne Bildschirm. Nach zwei Wochen berichtet sie von einer subjektiv kürzeren Einschlafzeit und tieferem Schlaf. Das Beispiel zeigt, wie Kombinationen aus Schlafhygiene und L-Theanin wirksam sein können – es ist jedoch kein Garant für einen Erfolg bei jedem Menschen.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
L-Theanin gilt bei üblichen Dosierungen (bis ca. 400 mg täglich) als gut verträglich. In Studien wurde es auch über mehrere Wochen bis Monate regelmäßig eingenommen, ohne dass schwere Nebenwirkungen auftraten. Berichtete, seltene Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen, leichte Magenbeschwerden oder Schwindel. Diese sind ungewöhnlich und meist mild.
Besondere Personengruppen sollten Vorsicht walten lassen: Für Schwangere und Stillende liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor – die Einnahme sollte hier nicht ohne ärztliche Empfehlung erfolgen. Für Kinder und Jugendliche gibt es ebenfalls nur begrenzte Daten. Bei bestehenden Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bei Einnahme von Medikamenten ist vorher eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Zur Langzeitsicherheit: Die bisherige Datenlage deutet nicht auf Abhängigkeitspotenzial oder schwere Langzeitrisiken hin. Dennoch gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel: Die Einnahme sollte bedarfsgerecht und nicht unbegrenzt dauerhaft erfolgen. Ein Pausieren und die kritische Reflexion des tatsächlichen Bedarfs gehören zu einer verantwortungsvollen Anwendung. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wirkt L-Theanin beruhigend oder ist es ein Schlafmittel?
L-Theanin wirkt nach bisheriger Studienlage nicht sedierend, sondern fördert eine Entspannungsreaktion ohne Müdigkeit. Es ist daher kein klassisches Schlafmittel. Seine Wirkung auf den Schlaf ist eher indirekt – über die Reduktion abendlicher Anspannung und kreisender Gedanken. Für einen direkten schlafanstoßenden Effekt ist die Evidenz begrenzt.
Ist es unbedenklich, L-Theanin jede Nacht einzunehmen?
Aus der bisherigen Studienlage ergeben sich keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen bei regelmäßiger Einnahme über mehrere Wochen bis Monate. Eine dauerhafte, unreflektierte Einnahme ist dennoch nicht empfohlen. Bei anhaltenden Schlafproblemen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, statt langfristig auf ein Supplement zu setzen.
Wie lange dauert es, bis L-Theanin beim Einschlafen wirkt?
Studien deuten darauf hin, dass erste Effekte innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach Einnahme eintreten können. Die Wirkung variiert individuell. Eine spürbare Verbesserung der Schlafqualität über mehrere Nächte kann ebenfalls einige Tage bis Wochen dauern, da subjektive Wahrnehmung eine Rolle spielt.
Kann L-Theanin Kopfschmerzen oder andere Nebenwirkungen verursachen?
Kopfschmerzen, leichte Magenbeschwerden oder Schwindel werden als seltene Nebenwirkungen beschrieben. Sie treten bei üblichen Dosierungen (200–400 mg) ungewöhnlich auf und sind meist mild. Bei anhaltenden oder verstärkten Beschwerden sollte die Einnahme pausiert und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Kann ich L-Theanin mit Melatonin kombinieren?
Grundsätzlich gelten beide Substanzen einzeln als gut verträglich, und eine Kombination ist in der Praxis verbreitet. Zu möglichen Wechselwirkungen liegen allerdings kaum Daten vor. Wer beide Wirkstoffe einnehmen möchte, sollte mit niedrigen Dosen beginnen und bei Unsicherheit ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
Macht L-Theanin abhängig?
Aus der bisherigen Studienlage ergibt sich kein Hinweis auf ein Abhängigkeitspotenzial von L-Theanin. Dennoch kann eine psychische Gewöhnung an jede Abendroutine entstehen. Eine dauerhafte, unreflektierte Einnahme sollte dennoch vermieden werden, und regelmäßige Pausen können sinnvoll sein.
Wann ist die beste Einnahmezeit für eine verbesserte Einschlafzeit?
Für eine bessere Einschlafzeit empfiehlt die gängige Praxis eine Einnahme etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen. Diese Empfehlung basiert auf der Zeit, nach der erste Wirkungseffekte in Studien beobachtet wurden. Die individuelle Verträglichkeit kann variieren – probieren Sie verschiedene Zeitpunkte vorsichtig aus.
Hilft L-Theanin bei Angst nur nachts oder auch tagsüber?
L-Theanin kann nach bisherigen Studien auch tagsüber zur Unterstützung bei akuter Nervosität oder Stresssituationen eingenommen werden – ohne sedierende Wirkung. Bei chronischen Angsterkrankungen ist die Evidenz jedoch deutlich begrenzter. Hier ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Begleitung der geeignetere Weg.
Ist L-Theanin für Kinder und Jugendliche geeignet?
Für Kinder und Jugendliche liegen nur begrenzte Sicherheitsdaten vor. Eine Einnahme sollte ohne ärztliche Empfehlung nicht erfolgen. Bei Schlaf- oder Angstproblemen im Kindes- und Jugendalter ist eine kinderärztliche oder fachärztliche Abklärung der erste sinnvolle Schritt.
Kann L-Theanin verschriebene Angstlöser ersetzen?
Nein, L-Theanin kann verschriebene Medikamente wie Benzodiazepine oder Antidepressiva nicht ersetzen. Die Wirkung ist deutlich schwächer und die Studienlage begrenzter. Ein Absetzen oder eine Dosisänderung verschriebener Medikamente sollte niemals allein auf Basis von Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen, sondern immer in ärztlicher Absprache.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- L-Theanin ist eine Aminosäure aus dem Grüntee, die mit einer Förderung von Entspannung ohne Sedierung in Verbindung gebracht wird.
- Die Wirkung auf akute Stresssituationen zeigt in Studien moderatere Hinweise als die bei chronischen Angststörungen.
- Studien deuten auf eine mögliche Verkürzung der Einschlafzeit und leicht verbesserte Schlafqualität hin – mit begrenzter Evidenzstärke.
- Übliche Dosierungen in Studien liegen zwischen 200 und 400 mg täglich und gelten als gut verträglich.
- Der Einnahmezeitpunkt richtet sich nach dem Ziel: tagsüber bei akuter Anspannung, abends zur Unterstützung des Einschlafens.
- L-Theanin ersetzt keine ärztliche Abklärung von anhaltenden Angst- oder Schlafstörungen.
- Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.
- Schlafhygiene und eine ruhige Abendroutine sind unverzichtbare Grundbausteine für besseren Schlaf.
Fazit: L-Theanin richtig einsetzen
L-Theanin ist ein vielversprechender, aber kein Allheilmittel-Ansatz. Die Studienlage deutet auf eine mögliche Unterstützung bei akuter Anspannung und leichten Schlafproblemen hin – mit deutlicher stärkerer Evidenz für den akuten als für den chronischen Kontext. Wer realistische Erwartungen mitbringt, die individuelle Reaktion beobachtet und das Supplement in eine sinnvolle Abendroutine einbettet, hat gute Chancen, von einer spürbaren Wirkung zu profitieren. Eine ärztliche Diagnostik bleibt bei anhaltenden Beschwerden unersetzlich.
Als Nahrungsergänzungsmittel ist L-Theanin eine mögliche Option, die die normale Ernährung ergänzen kann, sie aber nicht ersetzt. Individuelle Faktoren wie Alter, Stoffwechsel und Lebensstil spielen eine entscheidende Rolle – was bei einer Person wirkt, zeigt bei einer anderen nicht zwingend denselben Effekt. Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers, halten Sie Pausen ein und holen Sie bei Unsicherheiten fachlichen Rat ein. So bleibt L-Theanin ein bewusst gewähltes Instrument, kein Selbstläufer – und Sie behalten die Kontrolle über Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden.
Relevante Begriffe
L-Theanin, GABA, Serotonin, Glutamat, Melatonin, Alphawellen, zentrales Nervensystem, Stressreduktion, Einschlafzeit, Schlafqualität, zirkadianer Rhythmus, Magnesiumglycinat, Ashwagandha, Grüntee-Extrakt, Nahrungsergänzungsmittel, Schlafhygiene, Arzneimittel-Interaktionen, Entspannungsreaktion