Immer mehr Menschen suchen nach wissenschaftlich fundierten Wegen, um ihre Gesundheit im Alter zu unterstützen. Dieser evidenzbasierte Ratgeber zeigt Ihnen, welche Nahrungsergänzungsmittel für Langlebigkeit tatsächlich in Humanstudien geprüft wurden und welche Ergebnisse dabei erzielt werden konnten. Sie erfahren, wie Sie die Qualität klinischer Studien bewerten, welche Präparate über robuste Daten verfügen und wo die Forschung noch am Anfang steht. Der Fokus liegt ausschliesslich auf Substanzen, die am Menschen getestet wurden, nicht auf Tierversuchen oder Zellkultur-Experimenten. So erhalten Sie eine verlässliche Orientierung für Ihre persönliche Gesundheitsstrategie.
Warum Humanstudien für Anti-Aging-Präparate entscheidend sind
Die Forschung zu Langlebigkeit hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Viele vielversprechende Substanzen zeigten in Zellkulturen oder Tiermodellen beeindruckende Effekte auf Alterungsprozesse. Doch was im Labor oder bei Mäusen funktioniert, lässt sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Der menschliche Stoffwechsel ist komplexer, und Wirkstoffe werden anders aufgenommen, verteilt und abgebaut.
Humanstudien sind daher der Goldstandard, um zu beurteilen, ob ein Präparat beim Menschen tatsächlich messbare Effekte erzielt. Sie berücksichtigen Faktoren wie Stoffwechselwege, Verträglichkeit und Nebenwirkungen, die in präklinischen Modellen nicht abgebildet werden können. Ohne Daten aus klinischen Prüfungen bleibt jede Behauptung zur Lebensverlängerung spekulativ.
Dieser Leitfaden bietet einen systematischen Überblick über Nahrungsergänzungsmittel für Langlebigkeit, die in kontrollierten Humanstudien untersucht wurden. Sie lernen die wichtigsten Ergebnisse kennen, erfahren etwas über Studiendesigns und erhalten eine Bewertung der Evidenzstärke für jedes Präparat.
Wie Sie die Evidenz von Humanstudien zu Longevity-Präparaten bewerten
Nicht jede Humanstudie ist gleich aussagekräftig. Um die Qualität der Evidenz richtig einzuschätzen, ist ein grundlegendes Verständnis der Forschungsmethodik hilfreich. Die Hierarchie der Evidenz reicht von einzelnen Fallberichten bis hin zu systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen, die mehrere Studien zusammenfassen.
Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) gelten als der zuverlässigste Studientyp, da sie durch Zufallszuteilung und Placebokontrolle Verzerrungen minimieren. Besonders aussagekräftig sind RCTs mit einer ausreichend grossen Stichprobe, einer langen Studiendauer und klar definierten Endpunkten wie Biomarkern des Alterns oder klinischen Ereignissen. Kohortenstudien hingegen beobachten grosse Bevölkerungsgruppen über Jahre und können Zusammenhänge aufdecken, aber keine Kausalität beweisen.
Achten Sie bei der Bewertung einer Studie auf folgende Kriterien: Stichprobengrösse, Dauer der Intervention, Verwendung einer Placebogruppe, Verbindung der Teilnehmer und Untersucher sowie die gewählten Endpunkte. Studien mit weniger als 50 Teilnehmern oder einer Dauer von unter acht Wochen liefern meist nur vorläufige Hinweise. Besonders wertvoll sind Daten aus Meta-Analysen, die mehrere Einzelstudien zusammenfassen und so zuverlässigere Aussagen ermöglichen.
Die Top-Longevity-Präparate mit starker Evidenz aus Humanstudien
NAD+-Vorläufer: Nicotinamid-Ribosid und NMN in klinischen Prüfungen
NAD+ ist ein zentrales Koenzym im Energiestoffwechsel und in der DNA-Reparatur. Mit dem Alter sinkt der NAD+-Spiegel, was mit verschiedenen Alterserscheinungen in Verbindung gebracht wird. Nicotinamid-Ribosid (NR) und Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) sind Vorläufermoleküle, die den NAD+-Spiegel im Körper wieder anheben können. Mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien am Menschen haben gezeigt, dass beide Substanzen sicher sind und den NAD+-Spiegel im Blut signifikant erhöhen.
Eine 2022 veröffentlichte Studie mit 66 gesunden Erwachsenen mittleren Alters fand, dass eine zwölfwöchige Einnahme von NR die NAD+-Konzentration um etwa 60 Prozent steigerte. Zudem wurden positive Effekte auf den Blutdruck und die Arteriensteifigkeit beobachtet. NMN wurde in einer japanischen Studie an 40 gesunden Männern getestet, wobei sich eine verbesserte Insulinsensitivität und eine erhöhte NAD+-Konzentration zeigten. Die Studienlage ist vielversprechend, jedoch sind grössere und längere Studien nötig, um langfristige Effekte auf die Lebensspanne zu bestätigen.
Coenzym Q10 und seine Rolle für die mitochondriale Gesundheit
Coenzym Q10 (CoQ10) ist ein essentieller Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette und wirkt als fettlösliches Antioxidans. Die körpereigene Produktion von CoQ10 nimmt mit dem Alter ab, was die Energieversorgung der Zellen beeinträchtigen kann. In klinischen Studien wurde CoQ10 vor allem im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Eine Meta-Analyse von 14 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 695 Teilnehmern zeigte, dass eine CoQ10-Supplementierung die körperliche Leistungsfähigkeit bei älteren Erwachsenen verbessern kann.
Besonders bekannt ist die Q-SYMBIO-Studie, eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 420 Patienten mit Herzinsuffizienz. Die Studienergebnisse zeigten, dass eine CoQ10-Gabe über zwei Jahre die Rate schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse reduzierte. Für eine direkte Verlängerung der Lebensspanne beim gesunden Menschen gibt es jedoch noch keine ausreichende Evidenz aus grossen Langzeitstudien. CoQ10 gilt als gut verträglich, wobei leichte Magen-Darm-Beschwerden möglich sind.
Metformin: Die TAME-Studie und die Forschung zur Lebensverlängerung
Metformin ist ein bewährtes Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, das seit Jahrzehnten millionenfach eingesetzt wird. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Diabetiker, die Metformin einnehmen, eine geringere Gesamtmortalität aufweisen als gesunde Vergleichspersonen. Diese Beobachtung hat das Interesse an Metformin als potenziellem Longevity-Präparat geweckt. Die TAME-Studie (Targeting Aging with Metformin) ist die erste klinische Studie, die Metformin speziell auf seine anti-aging Effekte bei gesunden älteren Menschen untersuchen soll.
Die TAME-Studie befindet sich noch in der Planungs- und Rekrutierungsphase. Ziel ist es zu prüfen, ob Metformin das Auftreten altersbedingter Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und kognitiver Beeinträchtigungen verzögern kann. Bisherige Daten stammen überwiegend aus retrospektiven Analysen und Tierversuchen. Metformin ist verschreibungspflichtig und sollte nicht ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden, da es zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und einem Vitamin-B12-Mangel führen kann.
Resveratrol: Wirkung auf Entzündungsmarker und Stoffwechsel
Resveratrol ist ein Polyphenol, das in Trauben, Beeren und rotem Wein vorkommt. In Zellkulturen und Tiermodellen aktiviert Resveratrol Sirtuine, eine Gruppe von Enzymen, die mit Langlebigkeit in Verbindung gebracht werden. Die Übertragung dieser Effekte auf den Menschen gestaltet sich jedoch schwieriger. Eine Reihe von Humanstudien hat Resveratrol in Dosierungen zwischen 150 mg und 1000 mg pro Tag untersucht, wobei die Ergebnisse gemischt ausfallen.
Eine Meta-Analyse von 16 randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass Resveratrol den systolischen Blutdruck sowie entzündliche Biomarker wie C-reaktives Protein und TNF-alpha senken kann. Positive Effekte auf die Insulinsensitivität und den Glukosestoffwechsel wurden in einigen, aber nicht allen Studien beobachtet. Die Bioverfügbarkeit von Resveratrol ist gering, weshalb neuere Studien mit verbesserten Formulierungen arbeiten. Die Evidenz für eine direkte Lebensverlängerung beim Menschen ist bislang begrenzt.
Omega-3-Fettsäuren: Evidenz aus grossen Kohortenstudien
Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA sind für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Grosse prospektive Kohortenstudien, darunter die Nurses Health Study und die Physicians Health Study, haben gezeigt, dass ein höherer Omega-3-Spiegel im Blut mit einer geringeren Gesamtmortalität assoziiert ist. Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang mit einer reduzierten Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die REDUCE-IT-Studie, eine randomisierte kontrollierte Studie mit über 8000 Teilnehmern, belegte, dass eine hochdosierte Gabe von Eicosapentaensäure (EPA) das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten mit erhöhten Triglyceriden senkt. Omega-3-Fettsäuren gehören zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt. Die Evidenz für eine direkte Verlängerung der maximalen Lebensspanne ist jedoch weniger stark als für die Verlängerung der gesunden Lebensjahre, der sogenannten Healthspan.
Vitamin D: Zusammenhang mit Alterungsbiomarkern und Gesamtmortalität
Vitamin D wird oft in Verbindung mit Langlebigkeit genannt, da ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert ist. Grosse Beobachtungsstudien wie die National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) haben gezeigt, dass Menschen mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 30 nmol/l ein deutlich höheres Risiko für vorzeitigen Tod haben. Randomisierte kontrollierte Studien liefern jedoch ein differenzierteres Bild. Die VITAL-Studie mit über 25.000 Teilnehmern fand keine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität durch eine Vitamin-D-Supplementierung bei gesunden Erwachsenen.
Es gibt Hinweise aus Meta-Analysen, dass Vitamin D in moderaten Dosierungen das Risiko für Atemwegsinfektionen und bestimmte Krebserkrankungen senken kann. Die optimale Dosierung für Langlebigkeit ist noch nicht abschliessend geklärt. Ein nachgewiesener Mangel sollte ausgeglichen werden, da dieser mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Eine regelmässige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels und eine individuelle Dosierung in Absprache mit einem Arzt werden empfohlen.
Spermidin: Autophagie und erste Humanstudien zur Herzgesundheit
Spermidin ist ein natürliches Polyamin, das in Lebensmitteln wie gereiftem Käse, Pilzen und Weizenkeimen vorkommt. Es aktiviert den Prozess der Autophagie, bei dem Zellen beschädigte Bestandteile abbauen und recyceln. Dieser Mechanismus wird als einer der zentralen Schutzfaktoren gegen altersbedingte Erkrankungen angesehen. Eine 2018 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Humanstudie mit 80 älteren Erwachsenen zeigte, dass eine Spermidin-Supplementierung über drei Monate den Blutdruck senkte und die Gefässelastizität verbesserte.
Eine weitere Studie mit 100 Teilnehmern untersuchte die Auswirkungen von Spermidin auf die kognitive Funktion bei älteren Erwachsenen. Die Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der Gedächtnisleistung hin, allerdings ist die Datenlage noch begrenzt. Weitere grössere und längerfristige Studien sind erforderlich, um die potenziellen Anti-Aging-Effekte von Spermidin beim Menschen abschliessend zu bewerten. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch vielversprechend.
Fisetin: Erkenntnisse aus senolytischen Pilotstudien am Menschen
Fisetin ist ein Flavonoid, das in Erdbeeren, Äpfeln und Zwiebeln vorkommt. Es gehört zur Gruppe der Senolytika, also Substanzen, die gezielt seneszente Zellen eliminieren können. Seneszente Zellen sind gealterte Zellen, die sich nicht mehr teilen und entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten. Sie werden mit vielen Alterserkrankungen in Verbindung gebracht. Erste kleine Humanstudien haben die Sicherheit und Verträglichkeit von Fisetin untersucht.
Eine Pilotstudie an 10 gesunden Erwachsenen über zwei Tage zeigte, dass Fisetin in einer Dosierung von 100 mg pro Tag sicher ist und den Spiegel seneszenter Zellen im Blut reduzieren kann. Eine weitere Studie an 20 Patienten mit Arthrose fand Hinweise auf eine Verringerung von Entzündungsmarkern. Die Evidenz aus Humanstudien ist noch sehr begrenzt, und es fehlen grosse randomisierte kontrollierte Studien mit aussagekräftigen Endpunkten. Fisetin ist ein vielversprechender Kandidat, aber noch nicht als etabliertes Longevity-Präparat anzusehen.
Präparate mit vielversprechender, aber noch begrenzter Human-Evidenz
Neben den oben genannten Substanzen gibt es eine Reihe weiterer Präparate, die in präklinischen Modellen vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben, aber noch nicht ausreichend am Menschen getestet wurden. Quercetin, ein weiteres Flavonoid mit senolytischen Eigenschaften, wurde in einer kleinen Studie an 20 Probanden untersucht, wobei die Ergebnisse eine Reduktion seneszenter Zellen nahelegen. Die Datenlage ist jedoch noch zu dünn, um eine eindeutige Empfehlung auszusprechen.
Astaxanthin, ein starkes Antioxidans aus Mikroalgen, wurde in mehreren Humanstudien auf seine entzündungshemmende Wirkung getestet. Eine randomisierte kontrollierte Studie an 30 gesunden Erwachsenen zeigte eine Verringerung von oxidativem Stress. Ergothionein und Taurin sind Aminosäurederivate, die in ersten Humanstudien positive Effekte auf kognitive Funktionen und die Herzgesundheit gezeigt haben. Auch Lithium in niedriger Dosierung, Myricetin und Luteolin werden präklinisch erforscht, aber die Humanstudien sind bislang auf einzelne kleine Pilotprojekte beschränkt. Diese Substanzen sind interessant für die zukünftige Forschung, aber noch nicht als evidenzbasierte Longevity-Präparate einzustufen.
Longevity-Präparate nach Stärke der Human-Evidenz
Eine übersichtliche Bewertung der Evidenzstärke kann bei der Orientierung helfen. Die folgende Einteilung basiert auf der Anzahl und Qualität der verfügbaren Humanstudien. Als stark eingestuft werden Präparate mit mehreren randomisierten kontrollierten Studien, Meta-Analysen und konsistenten Ergebnissen. Dazu gehören Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Vitamin D, die in grossen Studienpopulationen untersucht wurden.
Als moderat eingestuft werden Substanzen mit mehreren kleineren RCTs oder einer grossen Studie, aber noch uneinheitlichen Ergebnissen. Hierzu zählen NAD+-Vorläufer wie Nicotinamid-Ribosid, Resveratrol und Spermidin. Diese Präparate zeigen vielversprechende Ansätze, benötigen aber weitere Forschung. Als begrenzt eingestuft werden Substanzen mit nur einzelnen Humanstudien oder überwiegend präklinischen Daten, darunter Fisetin, Quercetin, Astaxanthin, Ergothionein und Taurin.
Sicherheit, Wechselwirkungen und Qualitätssiegel bei Longevity-Präparaten
Die Sicherheit der hier besprochenen Substanzen ist in den durchgeführten Humanstudien überwiegend als gut dokumentiert worden. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten, insbesondere bei höheren Dosierungen oder längerer Einnahme. Nicotinamid-Ribosid kann in höheren Dosen zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall führen. Coenzym Q10 wird generell gut vertragen, kann aber leichte Verdauungsprobleme verursachen. Metformin hat ein bekanntes Risiko für Vitamin-B12-Mangel und Magen-Darm-Probleme, und es sollte nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Zu den möglichen Wechselwirkungen gehört die Blutverdünnung durch Omega-3-Fettsäuren in hohen Dosierungen, die die Wirkung von Gerinnungshemmern verstärken kann. Coenzym Q10 kann die Effektivität von Blutverdünnern wie Warfarin beeinträchtigen. Resveratrol kann aufgrund seiner enzymhemmenden Eigenschaften die Verstoffwechselung bestimmter Medikamente verändern. Bei der Auswahl eines hochwertigen Produkts sollten Sie auf Reinheit, standardisierte Extrakte und unabhängige Drittanbieter-Zertifizierungen achten, wie sie etwa von USP, NSF oder der europäischen Pharmakopöe angeboten werden.
Häufig gestellte Fragen zu Longevity-Präparaten mit Humanstudien
Welche Longevity-Präparate haben die meisten Humanstudien?
Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Vitamin D verfügen über die umfangreichste Datenbasis aus Humanstudien, einschliesslich grosser randomisierter kontrollierter Studien und Meta-Analysen. Auch Metformin wurde in zahlreichen Studien untersucht, allerdings primär als Diabetesmedikament. Die Evidenz für eine direkte Lebensverlängerung ist für Omega-3 und Vitamin D am stärksten.
Gibt es Humanstudien zu NMN für Anti-Aging?
Ja, es gibt mehrere kleine randomisierte kontrollierte Studien zu NMN am Menschen. Eine japanische Studie an 40 gesunden Männern zeigte eine erhöhte NAD+-Konzentration und verbesserte Insulinsensitivität. Die Studien sind jedoch kurz und umfassen meist weniger als 100 Teilnehmer. Grössere Langzeitstudien stehen noch aus.
Ist Metformin als Longevity-Präparat anerkannt?
Metformin wird derzeit in der TAME-Studie auf seine Anti-Aging-Effekte untersucht, die Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor. Bisherige Daten stammen aus Beobachtungsstudien an Diabetikern. Metformin ist verschreibungspflichtig und wird von Fachgesellschaften nicht als Longevity-Präparat für gesunde Menschen empfohlen.
Welche Evidenz gibt es für Coenzym Q10 in der Langlebigkeitsforschung?
Coenzym Q10 hat in der Q-SYMBIO-Studie an 420 Herzpatienten positive Effekte auf kardiovaskuläre Ereignisse gezeigt. Meta-Analysen bestätigen eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei älteren Erwachsenen. Die Evidenz für eine direkte Verlängerung der Lebensspanne bei gesunden Menschen ist noch nicht ausreichend.
Wurde Spermidin in Humanstudien auf Alterungsprozesse untersucht?
Ja, eine Studie an 80 älteren Erwachsenen zeigte eine Blutdrucksenkung und verbesserte Gefässelastizität nach dreimonatiger Spermidin-Einnahme. Eine weitere Studie mit 100 Teilnehmern deutet auf eine verbesserte Gedächtnisleistung hin. Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch begrenzt.
Welche Dosierung von Resveratrol basiert auf Humanstudien?
In klinischen Studien wurden Dosierungen zwischen 150 mg und 1000 mg pro Tag verwendet. Die untere Dosierung wurde vor allem in Studien zur Blutdrucksenkung eingesetzt, höhere Dosierungen in Untersuchungen zu Entzündungsmarkern. Die optimale Dosierung ist nicht abschliessend geklärt.
Welche dieser Anti-Aging-Präparate sind für die Langzeitanwendung sicher?
Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Vitamin D gelten bei üblichen Dosierungen als sicher für die Langzeitanwendung. Nicotinamid-Ribosid und Resveratrol zeigen in Studien über mehrere Monate ein gutes Sicherheitsprofil. Metformin sollte nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Haben Omega-3-Präparate Human-Evidenz für Langlebigkeit?
Ja, grosse Kohortenstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen höheren Omega-3-Spiegeln und einer geringeren Gesamtmortalität. Die REDUCE-IT-Studie belegte eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse. Omega-3-Fettsäuren gehören zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln für eine verlängerte Healthspan.
Wie unterscheiden sich NAD+ und NMN in der Humanforschung?
NAD+ selbst kann oral nicht zugeführt werden, da es im Magen abgebaut wird. NMN ist ein Vorläufer, der im Körper zu NAD+ umgewandelt wird. Humanstudien zu NMN zeigen eine Erhöhung des NAD+-Spiegels im Blut und positive Effekte auf den Stoffwechsel. Die Forschung zu NMN ist noch neuer als die zu Nicotinamid-Ribosid.
Kann ich mehrere dieser Präparate gleichzeitig einnehmen?
Eine gleichzeitige Einnahme ist grundsätzlich möglich, sollte aber mit Bedacht erfolgen. Insbesondere bei Metformin, Blutverdünnern und hohen Dosierungen von Omega-3 oder CoQ10 sind mögliche Wechselwirkungen zu beachten. Konsultieren Sie vor der Kombination mehrerer Präparate einen Arzt oder Apotheker.
Fazit: Wie Sie das passende Präparat für Ihre Gesundheitsstrategie auswählen
Die Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln für Langlebigkeit hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Substanzen wie Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Vitamin D verfügen über eine solide Datenbasis aus Humanstudien. NAD+-Vorläufer, Resveratrol und Spermidin zeigen vielversprechende Ergebnisse in kleineren klinischen Studien, benötigen aber weitere Untersuchungen. Fisetin, Quercetin und andere Senolytika befinden sich noch in einem frühen Forschungsstadium.
Die Wahl eines geeigneten Präparats sollte auf der individuellen Gesundheitslage, dem Alter, bestehenden Erkrankungen und der persönlichen Zielsetzung basieren. Kein Nahrungsergänzungsmittel kann eine ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung und ausreichend Schlaf ersetzen. Lassen Sie sich von einem Arzt oder Ernährungsmediziner beraten, bevor Sie mit einer Supplementierung beginnen. Dieser Leitfaden dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.
Wichtigste Erkenntnisse
- Humanstudien sind der entscheidende Massstab für die Bewertung von Longevity-Präparaten, da Tierversuche und Zellkultur-Experimente nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind.
- Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Vitamin D verfügen über die stärkste Evidenz aus grossen randomisierten kontrollierten Studien und Meta-Analysen.
- NAD+-Vorläufer wie Nicotinamid-Ribosid und NMN zeigen vielversprechende Ergebnisse zur Erhöhung des NAD+-Spiegels, benötigen aber weitere Langzeitstudien.
- Metformin wird in der TAME-Studie auf Anti-Aging-Effekte untersucht, ist aber verschreibungspflichtig und nicht für die Selbstmedikation geeignet.
- Bei der Auswahl eines Produkts sollten Sie auf Reinheit, standardisierte Extrakte und unabhängige Zertifizierungen achten.
- Konsultieren Sie vor der Einnahme mehrerer Präparate einen Arzt, um Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu vermeiden.
Relevante Begriffe
NAD+, NMN, Resveratrol, Metformin, Coenzym Q10, Spermidin, Fisetin, Quercetin, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Taurin, Astaxanthin, Ergothionein, Senolytika, Autophagie, Mitochondrien, oxidativer Stress, Entzündungsmarker, randomisierte kontrollierte Studie, klinische Prüfung, Alterungsbiomarker, Lebensspanne, Healthspan.