Omega-3-Fettsäuren zählen zu den am häufigsten eingenommenen Nahrungsergänzungsmitteln, und viele Menschen fragen sich, wie sie sich mit Blutverdünnern vertragen. In diesem Artikel erklären wir, ob die Kombination von Omega-3 und Blutverdünnern sicher ist, wie Omega-3 auf die Blutgerinnung wirkt, welche Wechselwirkungen mit Wirkstoffen wie Warfarin, Eliquis und Aspirin möglich sind und welcher Einnahmezeitpunkt sinnvoll ist. Sie erfahren außerdem, welche Dosierungen als unbedenklich gelten, welche Blutungszeichen beachtet werden sollten und wann eine ärztliche Rücksprache unverzichtbar ist. Diese Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.
Was sind Omega-3-Fettsäuren?
Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die der Körper teilweise selbst nicht in ausreichender Menge bilden kann. Die beiden wichtigsten Vertreter für das Herz-Kreislauf-System sind Eicosapensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Sie sind Bestandteile von Zellmembranen und beteiligt an entzündungsregulierenden Prozessen sowie an der Funktion von Herz, Gehirn und Blutgefäßen.
EPA und DHA wirken im Stoffwechsel auf mehreren Ebenen: Sie beeinflussen die Bildung von Gewebshormonen, die Entzündungsreaktionen modulieren, und können in höheren Dosen die Triglyzeridwerte im Blut senken. Die genaue Wirkung hängt von der Dosis, der Dauer der Einnahme und der individuellen Ausgangslage ab.
Pflanzliche und tierische Quellen
Tierische Quellen wie fetter Seefisch (Lachs, Makrele, Hering, Sardine) liefern EPA und DHA direkt. Pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Walnüsse und Rapsöl enthalten dagegen vor allem Alpha-Linolensäure (ALA), die der Körper nur in geringem Umfang in EPA und DHA umwandeln kann. Fischöl- und Algenöl-Kapseln stellen daher konzentrierte Quellen dar, deren Einnahme bei Medikamentengebrauch vorher geklärt werden sollte.
Wie wirken Blutverdünner?
Blutverdünner ist ein umgangssprachlicher Begriff für Medikamente, die die Bildung von Blutgerinnseln erschweren. Medizinisch werden zwei Hauptgruppen unterschieden: Antikoagulanzien, die Teile der Gerinnungskaskade hemmen, und Thrombozytenaggregationshemmer, die verhindern, dass Blutplättchen verklumpen. Beide Gruppen werden zur Vorbeugung von Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombose eingesetzt.
Antikoagulanzien: Warfarin, Eliquis und andere DOAKs
Warfarin (Phenprocoumon bzw. Marcumar sind in Deutschland verbreitete Vitamin-K-Antagonisten) hemmt die Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktorenbildung und erfordert regelmäßige Kontrollen des INR-Werts. Neuere direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) wie Apixaban (Eliquis), Rivaroxaban, Dabigatran und Edoxaban hemmen spezifische Gerinnungsfaktoren direkt und benötigen keine routinemäßige INR-Kontrolle.
Thrombozytenaggregationshemmer: Aspirin und verwandte Wirkstoffe
Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (Aspirin/ASS), Clopidogrel und Prasugrel hemmen die Verklumpung der Blutplättchen. Sie werden häufig nach Herzinfarkten, bei Stentversorgung oder bei bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Auch nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen können die Thrombozytenfunktion vorübergehend beeinflussen und zusätzlich das Blutungsrisiko im Magen-Darm-Trakt erhöhen.
Verdünnen Omega-3-Fettsäuren wirklich das Blut?
Der Begriff „Blutverdünnung" ist medizinisch nicht ganz korrekt: Blut wird nicht wässriger, sondern die Gerinnung wird gehemmt. Omega-3-Fettsäuren „verdünnen" das Blut nicht im eigentlichen Sinne wie Warfarin oder Apixaban. Ihr Einfluss auf die Gerinnung ist deutlich schwächer und unterscheidet sich mechanisch grundlegend von klassischen Blutverdünnern.
Was Studien zur Thrombozytenaggregation zeigen
Omega-3-Fettsäuren können die Thrombozytenaggregation, also das Zusammenballen der Blutplättchen, in gewissem Umfang beeinflussen. Laborstudien zeigen, dass hochdosierte EPA- und DHA-Gaben die Plättchenfunktion leicht verändern können. Der Effekt ist jedoch deutlich geringer als der von ASS und variiert zwischen Personen erheblich.
Von den Inuit-Studien bis zur aktuellen Forschung
Die Vorstellung, Fischöl „verdünnne" das Blut, geht auf Beobachtungen aus den 1970er Jahren zurück: Bei Grönland-Inuit mit fischreicher Ernährung wurden verlängerte Blutungszeiten und eine erhöhte Neigung zu Blutungen beobachtet. Spätere kontrollierte Studien konnten diese eindrucksvollen Effekte bei Supplementen in üblichen Dosierungen nicht bestätigen. Neuere Auswertungen deuten darauf hin, dass das Blutungsrisiko in gängigen Dosierungen niedrig ist, bei hochdosierten Präparaten und Kombinationen mit Antithrombotika aber nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Mögliche Wechselwirkungen zwischen Omega-3 und Blutverdünnern
Theoretisch könnte Omega-3 die blutverdünnende Wirkung von Medikamenten verstärken, weil beide Mechanismen – wenn auch auf unterschiedliche Weise – die Thrombusbildung hemmen. Ein solcher additiver Effekt würde sich vor allem in einem erhöhten Blutungsrisiko äußern, etwa in häufigeren blauen Flecken oder verlängertem Nasenbluten.
Die Studienlage ist widersprüchlich: Einige ältere Fallberichte beschrieben Blutungen unter Fischöl plus Warfarin oder DOAKs, während große randomisierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2017 bis 2024 in üblichen Dosierungen (etwa 1 Gramm EPA/DHA täglich) keine klinisch bedeutsame Erhöhung des Blutungsrisikos fanden. Bei Dosierungen über 3 Gramm täglich liegen deutlich weniger Daten vor, sodass hier Vorsicht und ärztliche Begleitung ratsam sind.
Auf molekularer Ebene können EPA und DHA in die Zellmembranen der Thrombozyten eingebaut werden und dort die Bildung von aggregationsfördernden Botenstoffen wie Thromboxan A2 vermindern. Sie beeinflussen zudem die Balance von gefäßschützenden und gefäßverengenden Prostaglandinen. Diese Effekte erklären, warum eine Wechselwirkung grundsätzlich denkbar ist – auch wenn sie im Alltag selten klinisch relevant wird.
Ist die Kombination mit bestimmten Blutverdünnern sicher?
Omega-3 und Warfarin: Auswirkungen auf den INR-Wert
Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin oder Phenprocoumon ist der INR-Wert der entscheidende Kontrollparameter. Einige Studien und Einzelfallberichte beschrieben bei hochdosiertem Fischöl einen Anstieg des INR-Werts, was ein zu stark verlängertes Gerinnungssystem anzeigen kann. In gängigen Dosierungen blieb der INR in den meisten Untersuchungen stabil. Wer Warfarin einnimmt, sollte Fischöl nur nach ärztlicher Rücksprache starten und die INR-Kontrollen zunächst engmaschiger durchführen lassen.
Omega-3 und Eliquis (Apixaban) sowie andere DOAKs
Für DOAKs wie Eliquis gibt es deutlich weniger Fallberichte zu Interaktionen mit Omega-3. Große Kohorten- und Interventionsstudien, in denen Teilnehmer DOAKs einnahmen, zeigten kein relevant erhöhtes Blutungsrisiko durch begleitende Fischöl-Einnahme. Dennoch gilt: Da DOAKs selbst ein Blutungsrisiko mit sich bringen, sollte auch hier die Dosis ärztlich abgestimmt und auf Blutungszeichen geachtet werden.
Omega-3, Aspirin und NSAR wie Ibuprofen
Die Kombination von Omega-3 mit Thrombozytenaggregationshemmern wie ASS wurde in mehreren kardiovaskulären Studien untersucht, ohne dass eine klinisch relevante Erhöhung von Blutungskomplikationen beobachtet wurde. NSAR wie Ibuprofen erhöhen das Blutungsrisiko jedoch eigenständig, insbesondere im Magen-Darm-Trakt. Die Kombination aus NSAR, Blutverdünnern und hochdosiertem Omega-3 sollte nicht ohne Rücksprache erfolgen.
Einnahmezeitpunkt: Gleichzeitig oder zeitversetzt?
Gibt es eine empfohlene Einnahmezeit?
Für die Kombination von Omega-3 und Blutverdünnern gibt es keine Belege dafür, dass ein zeitlicher Abstand die Wechselwirkung vermindert. Da Omega-3 nicht direkt in den Abbau der Medikamente eingreift, spielt es aus pharmakologischer Sicht keine Rolle, ob beide zusammen oder zeitversetzt eingenommen werden.
Warum Konstanz wichtiger ist als der zeitliche Abstand
Entscheidender als der Zeitpunkt ist die Konstanz: Wer Omega-3 dauerhaft und in gleichbleibender Dosis einnimmt, erlaubt dem Körper – und bei Warfarin den INR-Kontrollen – eine verlässliche Einstellung. Ein regelmäßig schwankender Konsum ist problematischer als eine feste, ärztlich abgestimmte Routine.
Optimale Aufnahme: Omega-3 mit Mahlzeiten kombinieren
Die Aufnahme von EPA und DHA verbessert sich deutlich, wenn die Kapseln zu einer Mahlzeit mit etwas Fett eingenommen werden. Das reduziert außerdem fischigen Aufstoß und mögliche Magenbeschwerden. Eine tägliche Hauptmahlzeit – etwa das Abendessen – ist daher ein praktischer Anker für die Einnahme.
Welche Omega-3-Dosierung gilt als sicher bei Blutverdünnern?
Die US-amerikanische FDA stuft eine tägliche Aufnahme von bis zu 3 Gramm EPA und DHA kombiniert als allgemein sicher (GRAS) ein; für Präparate ohne ärztliche Aufsicht empfiehlt sie höchstens 2 Gramm täglich. Diese Grenzen dienen als Orientierung, gelten aber nicht automatisch für Personen mit Blutverdünnern oder Gerinnungsstörungen.
Ab Dosierungen über etwa 2 bis 3 Gramm EPA/DHA täglich ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll – insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Warfarin, DOAKs oder ASS. Hochdosierte Präparate mit 1.000 mg oder mehr EPA/DHA pro Kapsel können das Risiko von Blutungskomplikationen theoretisch erhöhen, auch wenn große Studien hierfür in Kombination mit Antithrombotika nur schwache Belege liefern.
Mit zwei Portionen fettem Fisch pro Woche lassen sich etwa 250 bis 500 mg EPA/DHA täglich erreichen – eine Menge, die von Fachgesellschaften für Herzgesundheit empfohlen wird und in der Regel kein Sicherheitsproblem darstellt.
Blutungszeichen richtig erkennen und einschätzen
Typische Warnzeichen
Auf erhöhte Blutungsneigung können folgende Zeichen hindeuten:
- Häufige oder großflächige blaue Flecken ohne erkennbare Ursache
- Verlängertes oder wiederkehrendes Nasenbluten
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, das neu auftritt oder stärker wird
- Rosa bis rötlicher Urin oder schwarzer Stuhl
- Ungewöhnlich starke oder verlängerte Menstruationsblutungen
- Schwer stillbare kleine Wunden
Schritt-für-Schritt-Check zur Selbsteinschätzung
- Notieren Sie, wann das Symptom erstmals auftrat und ob ein neuer Nahrungsergänzungskonsum begann.
- Prüfen Sie, ob Sie zusätzlich NSAR (z. B. Ibuprofen) einnehmen.
- Achten Sie darauf, ob Symptome zunehmen oder mehrere gleichzeitig auftreten.
- Dokumentieren Sie die Befunde für das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Einzelne, milde Symptome wie gelegentlicher blauer Fleck sind häufig harmlos und nicht spezifisch. Treten Blutungen jedoch neu, stark, wiederholt oder ohne erkennbaren Anlass auf – oder kommen warnende Symptome wie schwarzer Stuhl, Blut im Urin, starke Kopfschmerzen oder Schwindel hinzu – sollte zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Wann Sie unbedingt Ihren Arzt einbeziehen sollten
Vor dem Beginn von Omega-3-Präparaten sollte ärztlich geklärt werden, ob die Einnahme in Ihrer Situation sinnvoll ist – besonders bei bestehender Antikoagulation, nach Thrombosen, bei Vorhofflimmern, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie vor geplanten Operationen. Viele Kliniken empfehlen, Fischöl einige Tage bis zwei Wochen vor elektiven Eingriffen pausieren zu lassen; der genaue Zeitraum wird individuell mit dem Operationsteam abgestimmt.
Nützliche Fragen für das Arztgespräch sind unter anderem: Ist für mich eine Omega-3-Einnahme sinnvoll und in welcher Dosis? Muss mein INR-Wert nach Beginn häufiger kontrolliert werden? Gibt es für mein Medikament (z. B. Eliquis) spezifische Hinweise? Welche Blutungszeichen sollten mich sofort melden lassen? Solche Gespräche ersetzen keine Blutspiegelkontrolle, aber sie verbessern die Sicherheit der Kombination deutlich.
Richtlinien großer Fachgesellschaften und aktuelle Studien
Die American Heart Association (AHA) erkennt den Nutzen von Omega-3 vor allem bei erhöhten Triglyzeridwerten an, rät gesunden Personen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung aber eher zur fischreichen Ernährung statt zur pauschalen Supplementierung. Die American College of Cardiology (ACC) und die European Society of Cardiology (ESC) bewerten reine Präventionsstudien mit Fischöl zunehmend zurückhaltender, während hochdosierte EPA-Präparate bei bestimmten Patientengruppen mit erhöhten Triglyzeriden weiterhin untersucht werden.
Studien aus den Jahren 2020 bis 2025, darunter die VITAL-Restless-Erweiterungen, STRENGTH und OMEMI, lieferten teils widersprüchliche Ergebnisse zur Herz-Kreislauf-Prävention. Hinsichtlich Blutungsrisiken zeigten jedoch mehrere Metaanalysen konsistent, dass Dosierungen bis etwa 1 Gramm EPA/DHA täglich auch unter Antithrombotika nur minimalen Einfluss auf die Blutungsneigung haben. Unklar bleibt die Situation bei sehr hohen Dosierungen und bei Kombination mit mehreren gerinnungshemmenden Substanzen.
Was die Einnahme von Omega-3 für Ihr Herz-Kreislauf-System bedeutet
Der bestuntersuchte Nutzen von Omega-3-Präparaten betrifft stark erhöhte Triglyzeridwerte. Hier können hochdosierte, rezeptpflichtige Präparate unter ärztlicher Begleitung die Werte deutlich senken. Für die allgemeine Herz-Kreislauf-Vorbeugung bei gesunden Personen sind die Belege dagegen deutlich schwächer als lange angenommen.
Für die meisten Menschen ist fetter Fisch die bessere Quelle: Er liefert neben EPA und DHA auch hochwertiges Eiweiß, Vitamin D, Selen und Jod – Nährstoffe, die in Nahrungsergänzungsmitteln fehlen. Wer generell seine Nährstoffversorgung prüfen möchte, findet in unserem Multivitamin-Ratgeber ergänzende Informationen.
Praktische Tipps für die sichere Kombination von Präparaten und Medikamenten
Zeitleiste für die tägliche Einnahme
- Morgens: Blutverdünner wie verschrieben einnehmen – Zeitpunkt und Dosierung nicht eigenständig ändern.
- Mittags oder abends: Omega-3-Kapseln zu einer fettreichen Mahlzeit einnehmen, um die Aufnahme zu verbessern.
- Regelmäßig: INR-Kontrollen (bei Warfarin) oder vereinbarte Arztbesuche wahrnehmen.
- Monatlich: Selbstcheck auf Blutungszeichen durchführen und Auffälligkeiten dokumentieren.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Hochwertige Omega-3-Präparate geben den tatsächlichen EPA- und DHA-Gehalt pro Kapsel an, sind auf Schadstoffe wie Schwermetalle geprüft und stammen idealerweise aus nachhaltiger Quelle. Ein Drittanbieter-Test oder ein Qualitätssiegel (z. B. IFOS) ist ein sinnvolles Zeichen. Achten Sie auf die Verfallsdatum-Angabe und Lagertemperatur. Wer zusätzlich andere Nährstoffe wie Vitamin D einnimmt, findet in unserem Vitamin-D-Ratgeber nützliche Hinweise zu Dosierung und Sicherheit. Vor einer Kombination mehrerer Präparate bei Blutverdünnern lohnt sich immer eine kurze Rücksprache mit der Apotheke oder Praxis.
Wichtige Kernaussagen
- Omega-3-Fettsäuren verändern die Blutgerinnung nicht so stark wie klassische Blutverdünner.
- In üblichen Dosierungen (bis ca. 1 g EPA/DHA) ist das Blutungsrisiko nach aktueller Studienlage gering.
- Bei Warfarin kann hochdosiertes Fischöl den INR-Wert beeinflussen – regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
- Für DOAKs wie Eliquis gibt es kaum Belege für klinisch relevante Wechselwirkungen, Vorsicht bleibt dennoch geboten.
- Ein zeitlicher Abstand zwischen Omega-3 und Blutverdünnern ist nach heutigem Wissensstand nicht erforderlich.
- Konstanz in Dosis und Einnahme ist wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme.
- Ab Dosierungen über 2–3 g täglich und vor Operationen ist ärztliche Rücksprache erforderlich.
- Neu auftretende Blutungszeichen wie schwarzer Stuhl oder Blut im Urin sollten ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Fragen
Kann man Omega-3-Fischöl mit Blutverdünnern einnehmen?
In vielen Fällen ist die Kombination unbedenklich, sollte aber vor Beginn ärztlich besprochen werden. Omega-3 kann die blutverdünnende Wirkung leicht verstärken und damit das Blutungsrisiko erhöhen. Bei Warfarin ist eine engmaschigere INR-Kontrolle sinnvoll; bei DOAKs gilt eine individuelle Risikoabwägung. Die Dosierung sollte mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden.
Warum wird Fischöl heute nicht mehr uneingeschränkt empfohlen?
Neuere große Studien zeigen, dass Fischöl bei gesunden Personen die Herz-Kreislauf-Prävention weniger unterstützt als lange angenommen. Für die Mehrheit ist fetter Fisch die bessere Quelle, da er zusätzlich Vitamin D, Selen und Jod liefert. Bei deutlich erhöhten Triglyzeridwerten kann Fischöl trotzdem sinnvoll sein – unter ärztlicher Begleitung und Dosierungskontrolle.
Spielt es eine Rolle, zu welcher Tageszeit man Omega-3 einnimmt?
Einen speziellen „besten" Zeitpunkt gibt es nicht. Wichtig ist die Einnahme zu einer Mahlzeit mit etwas Fett, da dies die Aufnahme verbessert und fischigen Aufstoß reduziert. Entscheidender als die Tageszeit ist eine konstante Routine: Wer täglich zur gleichen Mahlzeit einnimmt, unterstützt eine gleichbleibende Wirkung und bessere Verträglichkeit.
Welche Medikamente sollten nicht mit Omega-3 kombiniert werden?
Omega-3 kann die Wirkung von Warfarin, DOAKs wie Eliquis, ASS und anderen Thrombozytenaggregationshemmern theoretisch verstärken. Auch NSAR wie Ibuprofen erhöhen das Blutungsrisiko eigenständig. Eine Kombination dieser Wirkstoffgruppen mit hochdosiertem Omega-3 sollte nur nach ärztlicher Abwägung erfolgen. Informieren Sie Ihre Praxis über alle eingenommenen Präparate.
Verdünnt Fischöl das Blut wie Aspirin?
Nein, Fischöl wirkt nicht wie Aspirin. Omega-3 kann die Thrombozytenaggregation leicht reduzieren, also das Zusammenballen der Blutplättchen. Aspirin hemmt die Plättchenfunktion dagegen deutlich stärker und gezielter. Die Mechanismen unterscheiden sich, was aber nicht bedeutet, dass eine Kombination risikofrei ist – das Blutungsrisiko kann sich addieren.
Kann Fischöl den INR-Wert erhöhen?
Ja, das ist möglich, vor allem bei hohen Dosen. Einige Studien und Fallberichte beschrieben einen Anstieg des INR-Werts unter Fischöl bei Warfarin-Nutzern. In gängigen Dosierungen blieb der INR in den meisten Untersuchungen stabil. Wer Warfarin oder Phenprocoumon einnimmt, sollte Fischöl nur nach ärztlicher Rücksprache starten und die INR-Kontrollen engmaschiger durchführen lassen.
Ist die Einnahme von Omega-3 vor einer Operation sicher?
Vor geplanten Eingriffen wird Fischöl häufig pausiert, um das Blutungsrisiko im Operationsverlauf nicht zu erhöhen. Der genaue Zeitraum – meist einige Tage bis zwei Wochen – wird individuell mit dem Operationsteam oder der Anästhesie abgestimmt. Fragen Sie vor jeder Operation oder Zahnbehandlung aktiv nach, ob Nahrungsergänzungsmittel pausiert werden sollen.
Wie viel Omega-3 kann man täglich ohne Risiko einnehmen?
Für die allgemeine Bevölkerung stuft die FDA eine tägliche Aufnahme von bis zu 3 g EPA und DHA als sicher ein; für Präparate ohne ärztliche Aufsicht empfiehlt sie maximal 2 g. Bei Blutverdünnern ist die individuelle Situation entscheidend. Konsultieren Sie Ihre Praxis, bevor Sie Dosierungen über etwa 1 g EPA/DHA täglich einnehmen.
Algenöl als Alternative zu Fischöl – ist das bei Blutverdünnern sicherer?
Algenöl liefert DHA und oft EPA direkt aus pflanzlicher Quelle und ist eine gute Option für Vegetarier und Veganer. Hinsichtlich der Wirkung auf die Blutgerinnung ist es aber nicht automatisch risikoärmer als Fischöl, da EPA und DHA die entscheidenden Wirkstoffe sind. Auch hier gilt: Dosis ärztlich abstimmen und auf Blutungszeichen achten.
Wann sollte ich bei Blutungszeichen sofort ärztliche Hilfe suchen?
Unverzüglich ärztlich abklären lassen sollten Sie schwarzen oder blutigen Stuhl, Blut im Urin, plötzlich starke Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen oder Blutungen, die nicht zum Stillen bringen. Diese Symptome können verschiedene Ursachen haben und erfordern eine zeitnahe Abklärung. Bei leichten Symptomen wie gelegentlichem Zahnfleischbluten genügt zunächst eine Schilderung beim nächsten Arzttermin.
Fazit
Die Kombination von Omega-3 und Blutverdünnern ist nach heutigem Wissensstand in üblichen Dosierungen für die meisten Menschen gut verträglich – vorausgesetzt, die Einnahme wird ärztlich besprochen und bei Warfarin der INR-Wert kontrolliert. Ein zeitlicher Abstand ist nicht erforderlich; entscheidend sind eine gleichbleibende Dosis und das aufmerksame Beobachten möglicher Blutungszeichen. Bei Dosierungen über 2 Gramm EPA/DHA täglich, mehreren gerinnungshemmenden Substanzen oder vor Operationen ist eine individuelle ärztliche Abwägung immer notwendig.
Omega-3-Präparate können eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn die Ernährung wenig fette Seefische enthält oder Triglyzeridwerte erhöht sind. Sie ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung und keine ausgewogene Ernährung. Da die Wirkung individuell variiert, lohnt sich ein persönliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, um Dosis, Dauer und Kombination mit Ihren Medikamenten sicher zu gestalten.
Relevante Begriffe
Omega-3-Fettsäuren, Fischöl, EPA, DHA, Blutverdünner, Antikoagulanzien, Warfarin, Eliquis, Apixaban, DOAK, Aspirin, Thrombozytenaggregation, INR-Wert, Blutungsrisiko, Wechselwirkung, Triglyzeride, Vorhofflimmern, Herz-Kreislauf-Gesundheit