Kurz gesagt: Von Dritten geprüfte Nahrungsergänzungsmittel wurden zusätzlich zur herstellerinternen Qualitätskontrolle von einem unabhängigen Labor oder einer externen Organisation untersucht. Je nach Prüfprogramm kann es dabei um die Identität und den Gehalt der Inhaltsstoffe, Reinheit, mögliche Verunreinigungen oder die Einhaltung bestimmter Herstellungsstandards gehen. Eine solche Prüfung erhöht die Transparenz, ist aber keine Garantie für eine bestimmte gesundheitliche Wirkung.
Was bedeutet „von Dritten geprüft“?
Bei einer Prüfung durch Dritte bewertet nicht ausschließlich der Hersteller sein eigenes Produkt. Eine unabhängige Stelle untersucht beispielsweise eine Probe aus einer bestimmten Charge und vergleicht die Ergebnisse mit den Angaben auf dem Etikett oder mit festgelegten Qualitätskriterien. Das ist etwas anderes als eine reine Selbstauskunft des Unternehmens.
Der genaue Umfang hängt vom jeweiligen Prüfprogramm ab. Mögliche Prüfungen umfassen:
- Identität: Enthält das Produkt tatsächlich den angegebenen Vitamin-, Mineralstoff- oder Pflanzenstoff?
- Gehalt: Entspricht die Menge eines Inhaltsstoffs im untersuchten Muster ungefähr der Kennzeichnung?
- Reinheit: Gibt es relevante Verunreinigungen wie Schwermetalle, Mikroorganismen, Pestizidrückstände oder Lösungsmittelrückstände?
- Allergene und unerwünschte Stoffe: Werden Stoffe geprüft, die für bestimmte Personen wichtig sein können?
- Herstellung und Dokumentation: Werden Qualitätsmanagement, Rückverfolgbarkeit und Herstellungsprozesse kontrolliert?
„Von Dritten geprüft“ ist daher kein einheitliches Qualitätssiegel. Entscheidend ist, wer geprüft hat, was geprüft wurde, nach welcher Methode die Prüfung erfolgte und ob sich das Ergebnis auf die konkrete Charge bezieht.
Warum kann eine unabhängige Laboranalyse sinnvoll sein?
Nahrungsergänzungsmittel unterliegen dem Lebensmittelrecht und werden nicht wie verschreibungspflichtige Arzneimittel routinemäßig vor dem Verkauf auf Wirksamkeit und Sicherheit zugelassen. Hersteller tragen Verantwortung für die Qualität und Sicherheit ihrer Produkte; die Überwachung erfolgt im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorgaben. Eine externe Prüfung kann zusätzliche Informationen liefern, ersetzt jedoch weder die gesetzlichen Pflichten noch die sorgfältige Auswahl eines Produkts.
Eine unabhängige Laboranalyse kann Ihnen helfen, die Angaben auf der Verpackung besser einzuordnen. Sie kann beispielsweise zeigen, ob ein Präparat die angegebenen Inhaltsstoffe enthält oder ob bestimmte Verunreinigungen unter den jeweils geprüften Bedingungen nachgewiesen wurden. Das ist besonders relevant bei Produkten mit pflanzlichen Extrakten, komplexen Mischungen oder Inhaltsstoffen, deren Qualität von Herkunft und Verarbeitung abhängen kann.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein bestandener Qualitätstest sagt nicht automatisch, dass ein Nahrungsergänzungsmittel für jede Person geeignet ist oder eine bestimmte Wirkung erzielt. Auch ein korrekt deklarierter Inhaltsstoff kann Nebenwirkungen haben, mit Arzneimitteln wechselwirken oder bei bestimmten Erkrankungen ungeeignet sein.
Welche Prüfungen und Zertifizierungen gibt es?
Am Markt finden sich unterschiedliche Programme und Prüfzeichen. Sie verfolgen nicht alle dasselbe Ziel und sind nicht automatisch auf jedes Land oder jede Produktkategorie übertragbar.
- NSF International: Bestimmte Programme wie NSF Certified for Sport® richten sich insbesondere an Sportler und prüfen unter anderem auf ausgewählte verbotene Substanzen.
- USP Verified: Das Programm der U.S. Pharmacopeia bewertet je nach Produkt und Programm unter anderem Identität, Gehalt, Reinheit und Herstellungsqualität.
- ConsumerLab: ConsumerLab kauft Produkte unabhängig ein und veröffentlicht Ergebnisse zu ausgewählten Qualitätsmerkmalen. Der Umfang der Prüfung kann je nach Produkt variieren.
- Informed-Choice und Informed-Sport: Diese Programme konzentrieren sich vor allem auf die Prüfung von Sporternährungsprodukten auf ausgewählte Substanzen, die im Wettkampfsport problematisch sein können.
- GMP: Good Manufacturing Practice, auf Deutsch gute Herstellungspraxis, beschreibt Anforderungen an kontrollierte Prozesse, Hygiene, Dokumentation und Qualitätsmanagement. Ein GMP-Hinweis ist nicht dasselbe wie ein vollständiger Produkttest.
Ein Logo sollte deshalb nicht isoliert bewertet werden. Prüfen Sie, ob es sich um eine echte Zertifizierung, eine Herstellerangabe oder lediglich um einen allgemeinen Hinweis auf interne Qualitätskontrollen handelt. Bei internationalen Siegeln ist außerdem sinnvoll, die Kriterien und den Geltungsbereich direkt bei der jeweiligen Organisation nachzulesen.
Was sollte ein Prüfbericht enthalten?
Ein aussagekräftiges Zertifikat der Analyse, häufig als Certificate of Analysis oder COA bezeichnet, sollte möglichst eindeutig zuordenbar sein. Achten Sie auf die Produktbezeichnung, die Chargennummer, das Prüfdatum, die untersuchte Probe und die getesteten Parameter. Auch die Identität des Labors sowie Angaben zu den verwendeten Methoden können hilfreich sein.
Ein Bericht, der nur allgemein „qualitätsgeprüft“ sagt, beantwortet nicht unbedingt die Frage, ob beispielsweise der Vitamin- oder Mineralstoffgehalt, Schwermetalle oder mikrobiologische Verunreinigungen untersucht wurden. Nicht jede Prüfung umfasst alle möglichen Risiken. Fragen Sie bei unklaren Angaben beim Hersteller nach, welche Charge geprüft wurde und welche Ergebnisse tatsächlich vorliegen.
So wählen Sie geprüfte Nahrungsergänzungsmittel aus
- Definieren Sie zunächst den Zweck: Überlegen Sie, welchen Nährstoff oder Inhaltsstoff Sie benötigen und ob eine Supplementierung überhaupt sinnvoll ist. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die Grundlage.
- Lesen Sie die vollständige Kennzeichnung: Prüfen Sie Inhaltsstoffe, Mengen pro Tagesportion, Verzehrempfehlung, Allergene, Warnhinweise, Mindesthaltbarkeitsdatum und verantwortliches Unternehmen.
- Bewerten Sie die Prüfung konkret: Suchen Sie nach dem Namen der prüfenden Stelle, dem Umfang der Tests und einem Bezug zur Charge. „Getestet“ ohne weitere Erklärung ist wenig aussagekräftig.
- Vergleichen Sie die Formulierung: Bei Vitaminen und Mineralstoffen können chemische Form, Kombinationen, Zusatzstoffe und Darreichungsform relevant sein. Vergleichen Sie Produkte nicht nur anhand der Anzahl der Inhaltsstoffe.
- Beachten Sie Ihre persönliche Situation: Bei Medikamenteneinnahme, chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Anwendung bei Kindern ist eine Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte Ernährungsfachkraft sinnvoll.
- Bewahren Sie Chargeninformationen auf: Sie erleichtern Rückfragen an den Hersteller und die Rückverfolgbarkeit des Produkts.
Auf Topvitamine.com finden Sie Informationen zu verschiedenen Nährstoffen und Produktkategorien, zum Beispiel Vitamin-C-Produkten, Magnesium-Ergänzungsmitteln, Vitamin D, Vitamin K sowie DHA- und EPA-Omega-3-Produkten. Die jeweilige Produktseite sollte dabei nicht die Prüfung durch Dritte voraussetzen: Entscheidend sind die konkreten Herstellerangaben und verfügbaren Nachweise.
Reinheit, Gehalt und Wirksamkeit sind nicht dasselbe
Diese Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet, bedeuten aber Unterschiedliches:
- Reinheit beschreibt, ob unerwünschte Stoffe oder Verunreinigungen nachgewiesen wurden.
- Gehalt beziehungsweise Dosierungsgenauigkeit beschreibt, ob die Menge eines deklarierten Inhaltsstoffs mit der Kennzeichnung übereinstimmt.
- Identität beschreibt, ob der erwartete Inhaltsstoff tatsächlich enthalten ist.
- Wirksamkeit beschreibt, ob ein Produkt unter bestimmten Bedingungen einen gesundheitlichen Nutzen zeigt. Sie lässt sich nicht allein aus einem Reinheits- oder Gehaltstest ableiten.
Auch eine Prüfung auf Haltbarkeit oder Stabilität kann Bestandteil eines Qualitätsprogramms sein, muss aber nicht automatisch für jedes Produkt oder jede Charge durchgeführt werden. Fragen Sie daher immer nach dem konkreten Prüfungsumfang.
Für wen ist besondere Vorsicht wichtig?
Eine externe Qualitätsprüfung reduziert bestimmte Unsicherheiten, macht ein Präparat aber nicht automatisch risikofrei. Schwangere und stillende Personen, Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Erkrankungen sollten Nahrungsergänzungsmittel besonders sorgfältig auswählen. Das gilt auch bei der Einnahme von Arzneimitteln, da Wechselwirkungen möglich sind. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt werden, statt Beschwerden eigenständig mit Nahrungsergänzungsmitteln zu behandeln.
Wenn ein Mangel vermutet wird, lässt er sich nicht zuverlässig allein anhand unspezifischer Symptome feststellen. Je nach Situation können eine ärztliche Einschätzung und geeignete Untersuchungen sinnvoll sein. Hohe Dosierungen sollten nicht ohne fachliche Beratung eingenommen werden.
Fazit
Von Dritten geprüfte Nahrungsergänzungsmittel bieten eine zusätzliche Ebene der Transparenz. Sie können Hinweise auf Identität, Gehalt, Reinheit und Herstellungsqualität liefern, sind jedoch keine Wirksamkeitsgarantie und ersetzen keine individuelle Beratung. Achten Sie auf eine nachvollziehbare Zertifizierung oder Laboranalyse, chargenbezogene Angaben, eine vollständige Kennzeichnung und Warnhinweise. So können Sie Nahrungsergänzungsmittel informierter und entsprechend Ihrer persönlichen Situation auswählen.