Kurzantwort: Den einen für alle Menschen besten Probiotika-Stamm gibt es nicht. Die Wirkung ist stammspezifisch und hängt außerdem vom Gesundheitsziel, der verwendeten Menge und der Produktqualität ab. Zu den gut untersuchten Beispielen gehören Lactobacillus rhamnosus GG, bestimmte Bifidobacterium-Stämme und die probiotische Hefe Saccharomyces boulardii. Probiotika sind jedoch kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.
Was sind probiotische Stämme?
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die bei ausreichender Aufnahme einen gesundheitlichen Nutzen haben können. Ein Stamm wird genauer bezeichnet als eine Art: Neben der Gattung und Art ist deshalb auch die konkrete Stammbezeichnung wichtig. Forschungsergebnisse zu einem Stamm lassen sich nicht automatisch auf alle Produkte derselben Bakterienart übertragen.
Probiotische Mikroorganismen können vorübergehend mit der Darmumgebung und dem Immunsystem interagieren. Sie müssen den Darm nicht dauerhaft besiedeln, um möglicherweise eine Wirkung zu entfalten. Die Effekte können unter anderem von der Nahrung, der individuellen Darmflora und der Dauer der Einnahme abhängen.
Gut untersuchte Probiotika-Stämme im Überblick
| Stamm oder Gruppe | Wofür er untersucht wurde | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
| Lactobacillus rhamnosus GG | Unterstützung der Darmgesundheit, unter anderem im Zusammenhang mit antibiotikaassoziiertem oder infektiösem Durchfall | Die Studien beziehen sich auf den konkreten Stamm und nicht auf alle Lactobacillus-Produkte. |
| Bifidobacterium longum | Verdauung und bestimmte Beschwerden wie Symptome des Reizdarms | Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Unterstamm und Formulierung. |
| Bifidobacterium bifidum | Verarbeitung von Ballaststoffen und Wechselwirkungen mit der Darmumgebung | Ein möglicher Nutzen ist nicht mit einer Behandlung einer Erkrankung gleichzusetzen. |
| Saccharomyces boulardii | Unterstützung bei bestimmten Durchfallsituationen | Bei geschwächtem Immunsystem oder schweren Erkrankungen ist besondere Vorsicht erforderlich. |
| Bacillus coagulans | Verdauungsbezogene Anwendungen | Die Evidenz ist abhängig vom jeweiligen Stamm und Anwendungsgebiet; nicht jeder Werbeanspruch ist gut belegt. |
Welcher Probiotika-Stamm ist am sinnvollsten?
Die Antwort richtet sich nach dem Ziel. Für die Auswahl ist ein klar benannter Stamm wichtiger als ein möglichst langer Zutatenliste. Bei Probiotika nach einer Antibiotikabehandlung wurden beispielsweise bestimmte Stämme untersucht, darunter Lactobacillus rhamnosus GG und Saccharomyces boulardii. Das bedeutet nicht, dass sie für jede Person geeignet sind oder Durchfall sicher verhindern.
Bei wiederkehrenden, starken oder anhaltenden Beschwerden sollte zuerst die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Probiotika können je nach Situation eine ergänzende Option sein, ersetzen aber keine Diagnose oder Behandlung.
Sind mehr Stämme automatisch besser?
Nein. Ein Multi-Stamm-Produkt ist nicht grundsätzlich wirksamer als ein Produkt mit einem einzelnen Stamm. Entscheidend sind die konkreten Stämme, die dazugehörige Evidenz, die Menge, die Haltbarkeit und das passende Anwendungsziel. Mehrere Stämme können sinnvoll sein, wenn genau diese Kombination untersucht wurde; eine beliebige Mischung ist jedoch kein Qualitätsbeweis.
Achten Sie daher auf die vollständigen Stammbezeichnungen, die Anzahl lebender Mikroorganismen zum Ende der Haltbarkeit und klare Hinweise zur Lagerung. Eine hohe Zahl an KBE allein sagt nicht zuverlässig voraus, welches Produkt für Sie geeignet ist.
Worauf sollten Sie bei einem Probiotikum achten?
- Konkrete Bezeichnung: Prüfen Sie Gattung, Art und möglichst den Stamm, zum Beispiel Lactobacillus rhamnosus GG.
- Passendes Ziel: Wählen Sie ein Produkt, dessen Stamm und Anwendung zu Ihrem Informations- oder Gesundheitsziel passen.
- Kennzeichnung: Die KBE-Angabe sollte verständlich sein und sich möglichst auf das Ende der Haltbarkeit beziehen.
- Verträglichkeit: Achten Sie auf Allergene, Hilfsstoffe und die für Sie passende Darreichungsform wie Kapseln oder Pulver.
- Lagerung: Befolgen Sie die Angaben auf dem Etikett, da Feuchtigkeit, Wärme und Sauerstoff die Haltbarkeit beeinflussen können.
Die Einnahme sollte sich nach der Produktinformation richten. Eine allgemein für alle Personen passende Dosierung gibt es nicht; in Studien wurden je nach Stamm und Fragestellung unterschiedliche Mengen verwendet. Bei Probiotika nach Antibiotika sollten Sie die Einnahme außerdem mit Arzt oder Apotheke abstimmen, da Zeitpunkt und Abstand vom jeweiligen Präparat abhängen können.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Gesunde Erwachsene vertragen Probiotika häufig gut. Zu Beginn können vorübergehend Blähungen, ein verändertes Stuhlbild oder leichte Bauchbeschwerden auftreten. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte die Einnahme beendet und medizinischer Rat eingeholt werden.
Besondere Vorsicht ist bei schwerer Erkrankung, stark geschwächtem Immunsystem, einem zentralen Venenkatheter oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen angebracht. Für diese Gruppen sind Probiotika nicht automatisch geeignet. Kinder, Schwangere und Stillende sollten die Auswahl mit einer medizinischen Fachperson besprechen.
Kann ich Probiotika während einer Behandlung mit Infliximab einnehmen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Infliximab beeinflusst das Immunsystem, und bei einer solchen Behandlung sollten Probiotika nicht eigenständig begonnen werden. Besprechen Sie das konkrete Produkt, den Stamm und Ihr Gesundheitsprofil mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder einer Apotheke. Setzen Sie Infliximab oder andere verordnete Medikamente niemals wegen eines Nahrungsergänzungsmittels ab.
Warum warnen manche Kardiologen vor Probiotika?
Eine allgemeine Warnung vor Probiotika für alle Menschen gibt es nicht. Ärztliche Vorsicht kann sich auf schwer kranke oder immungeschwächte Personen beziehen, bei denen seltene, aber ernsthafte Infektionen durch Mikroorganismen möglich sind. Außerdem können Produkte sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Menschen mit einer schweren Herzerkrankung oder komplexer Medikation sollten die Einnahme deshalb individuell ärztlich prüfen lassen. Für gesunde Erwachsene ist diese Vorsicht nicht automatisch ein Verbot.
Lebensmittel oder Nahrungsergänzung?
Joghurt mit lebenden Kulturen, Kefir und andere fermentierte Lebensmittel können Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein. Ihre Mikroorganismen und Mengen sind jedoch nicht automatisch mit einem gezielt untersuchten Nahrungsergänzungsmittel vergleichbar. Bei der Auswahl eines Supplements sind die konkrete Kennzeichnung und das Anwendungsziel wichtiger als die pauschale Aussage, ein Produkt sei „natürlich“.
Fazit
Wissenschaftlich belegte Probiotika-Stämme werden nicht alle für dieselben Zwecke untersucht. Lactobacillus rhamnosus GG, bestimmte Bifidobacterium-Stämme und Saccharomyces boulardii sind Beispiele mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten. Mehr Stämme oder mehr KBE sind nicht automatisch besser. Vergleichen Sie die konkrete Stammbezeichnung, Kennzeichnung, Lagerung und Verträglichkeit. Bei Medikamenteneinnahme, Infliximab, Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem ist eine professionelle Beratung besonders wichtig.