Ashwagandha gilt als eines der beliebtesten Adaptogene unserer Zeit – doch neben den Vorteilen gibt es eine dunkle Seite, die in öffentlichen Diskussionen oft zu kurz kommt. Dieser Artikel beleuchtet die dokumentierten Risiken und Nebenwirkungen der Pflanze Withania somnifera: von Magen-Darm-Beschwerden über seltene, aber ernste Leberschäden und Einflüsse auf die Schilddrüse bis hin zu Wechselwirkungen mit Medikamenten. Sie erfahren, welche Warnsignale beachtet werden sollten, wer Ashwagandha besser nicht einnimmt und wie eine möglichst risikoarme Anwendung aussieht – auf Basis der aktuellen Studienlage und regulatorischer Bewertungen aus dem Jahr 2026.
Was ist Ashwagandha und warum ist sie so beliebt?
Ashwagandha (Withania somnifera) ist ein Adaptogen aus der ayurvedischen Medizin, das seit Jahrhunderten in Indien verwendet wird. Die Wurzel enthält sogenannte Withanolide, denen in Studien eine stresmindernde und beruhigende Wirkung zugeschrieben wird. Üblicherweise werden standardisierte Wurzelextrakte in Kapseln eingenommen, häufig zur Unterstützung bei Stress, Schlafproblemen und allgemeiner Erschöpfung.
Der aktuelle Hype entstand vor allem über Social Media, wo Ashwagandha teils als natürliches Wundermittel gegen Stress und Angst gepriesen wird. Die Studienlage ist dabei gemischt: Einige kleinere, kontrollierte Studien zeigen mögliche positive Effekte auf Stressmarker wie Cortisol, doch viele Untersuchungen sind kurz, umfassen wenige Teilnehmer und wurden teils von Herstellern finanziert. Langzeitdaten zur Sicherheit fehlen weitgehend.
Warum sollte man mit Ashwagandha vorsichtig sein? Die kurze Antwort
Die wichtigsten Risikokategorien lassen sich in fünf Punkte zusammenfassen: seltene, aber dokumentierte Leberschäden, mögliche Veränderungen der Schilddrüsenwerte, Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten, klare Warnhinweise für Schwangere und Stillende sowie Qualitätsprobleme bei Nahrungsergänzungsmitteln. Hinzu kommen Nutzerberichte über emotionale Verflachung und paradoxe Angstzustände, die in der Forschung bislang kaum untersucht sind.
Die wissenschaftliche Evidenz zu diesen Risiken ist unterschiedlich belastbar. Leberschäden und Schilddrüsenveränderungen beruhen überwiegend auf Fallberichten, was keinen kausalen Nachweis im strengen Sinne liefert, aber ein Muster erkennen lässt, das regulatorische Behörden ernst nimmt. Gleichzeitig fehlen große, langfristige Sicherheitsstudien – eine Lücke, die Vorsicht angebracht erscheinen lässt.
Häufige Nebenwirkungen: Magen, Verdauung und Müdigkeit
Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Völlegefühl, Bauchschmerzen und Durchfall. Diese Beschwerden scheinen dosisabhängig zu sein und treten eher bei höheren Dosen oder Einnahme auf nüchternen Magen auf. Eine Einnahme zu den Mahlzeiten kann das Risiko mindern, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung bei anhaltenden Symptomen.
Auch Müdigkeit und Benommenheit werden regelmäßig berichtet. Da Ashwagandha tendenziell beruhigend wirkt, kann dies die Konzentration und Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen – besonders in Kombination mit anderen sedierenden Substanzen. Wer tagsüber ungewöhnlich erschöpft oder benommen wirkt, sollte die Einnahme vorübergehend aussetzen und beobachten, ob sich die Beschwerden zurückbilden.
Leberschäden: Das schwerwiegendste dokumentierte Risiko
Lebertoxizität: Was Fallberichte zeigen
Weltweit sind mehrere Dutzend Fälle von Leberschädigung (Hepatotoxizität) im Zusammenhang mit Ashwagandha-Präparaten dokumentiert, darunter Berichte aus Deutschland, den USA, Island und Japan. Die Betroffenen erholten sich in den meisten Fällen nach dem Absetzen, einzelne schwere Verläufe erforderten sogar eine Transplantation. Die Fallberichte beweisen keine kausale Ursache im strengen Sinne, wurden jedoch von Fachzeitschriften und Behörden als plausibel bewertet.
Warnsignale einer Leberbelastung erkennen
Warnsignale einer möglichen Leberbelastung umfassen Gelbfärbung von Haut oder Augen (Gelbsucht), dunklen Urin, hellen Stuhl, starken Juckreiz, ungewöhnliche Müdigkeit sowie Druckgefühl im rechten Oberbauch. Solche Symptome sind unspezifisch und können viele Ursachen haben – sie rechtfertigen aber, das Präparat sofort abzusetzen und zeitnah ärztlich abklären zu lassen, einschließlich eines Leberwerts-Checks.
Auswirkungen auf die Schilddrüse: Hormonveränderungen und Thyreotoxikose
In mehreren Fallberichten und kleineren Studien wurde nach Ashwagandha-Einnahme von erhöhten Schilddrüsenhormonen berichtet, in Einzelfällen mit Symptomen einer Thyreotoxikose wie Herzrasen, Gewichtsverlust, Schwitzen und Unruhe. Ashwagandha kann die Schilddrüsenhormonproduktion möglicherweise anregen – bei Menschen mit vermehrter Schilddrüsenfunktion ist das ein erhebliches Risiko.
Besonders relevant ist die Wechselwirkung mit L-Thyroxin und anderen Schilddrüsenmedikamenten. Wer unter Schilddrüsentherapie steht, sollte Ashwagandha nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen, da die Dosis-Einstellung durch hormonverändernde Effekte erschwert werden kann.
Auf EU-Ebene hat die Pflanze regulatorische Aufmerksamkeit erregt: Das Dänische Technische Universität (DTU) erstellte im Auftrag der dänischen Behörden ein Risikoassessment, das bei üblichen Dosierungen gesundheitliche Risiken insbesondere für Leber und Schilddrüse nicht ausschloss. Daraufhin untersagte Dänemark den Verkauf von Ashwagandha-Präparaten, und mehrere europäische Länder prüften nach.
Die psychische Schattenseite: Emotionale Taubheit und paradoxe Angst
Wenig erforscht, aber in Nutzerberichten auffällig häufig beschrieben, ist eine emotionale Verflachung: Betroffene schildern Antriebslosigkeit, Anhedonie (Unfähigkeit, Freude zu empfinden) und ein Gefühl emotionaler Taubheit. Hypothetisch wird dies mit der cortisol-senkenden und HPA-Achse-modulierenden Wirkung in Verbindung gebracht – belastbare Studien dazu fehlen jedoch bislang.
Paradoxerweise berichten manche Anwender auch von verstärkter Angst, innerer Unruhe oder Stimulierung statt der erhofften Beruhigung. Solche individuellen Reaktionen sind plausibel, da pflanzliche Wirkstoffe unterschiedliche Menschen unterschiedlich beeinflussen können. Nutzerberichte haben zwar geringe wissenschaftliche Beweiskraft, sie sollten aber als ernstzunehmendes Signal gewertet werden: Treten solche Symptome auf, spricht das gegen eine Fortsetzung der Einnahme.
Was sollte man niemals mit Ashwagandha kombinieren?
Als Adaptogen mit möglichen Effekten auf Nervensystem, Stoffwechsel und Immunsystem interagiert Ashwagandha potenziell mit verschiedenen Medikamenten. Besonders kritisch sind Kombinationen, die eine gegenseitige Verstärkung oder Abschwächung bewirken können. Nach aktuellem Kenntnisstand gelten folgende Kombinationen als problematisch:
- Beruhigungs- und Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen): mögliche Verstärkung der Sedierung
- Diabetesmedikamente: potenzielle Blutzuckersenkung, Risiko von Unterzuckerungen
- Blutdrucksenker: mögliche übermäßige Blutdruckabsenkung
- Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin): hormonelle Verschiebungen
- Immunsuppressiva: mögliche Abschwächung der immunsupprimierenden Wirkung
- Antiepileptika: unklare Wechselwirkungen mit der Krampfschwelle
- Serotonerge Medikamente (z. B. bestimmte Antidepressiva): theoretisches Serotonin-Syndrom-Risiko
- Alkohol: verstärkte Müdigkeit und Leberbelastung
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte jede Kombination mit Ashwagandha vorher mit Arzt oder Apotheker besprechen.
Wer sollte Ashwagandha nicht einnehmen?
Für bestimmte Gruppen bestehen klare Warnhinweise. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Ashwagandha durchgängig nicht empfohlen: Tierstudien und traditionelle Verwendung deuten auf mögliche Risiken für den Schwangerschaftsverlauf hin, und es fehlen Sicherheitsdaten für Ungeborene und Säuglinge. Hier gilt ein klares Nein.
Nicht einnehmen oder nur nach strenger ärztlicher Abwägung sollten außerdem:
- Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen (Über- oder Unterfunktion, Autoimmun-Thyreoiditis)
- Menschen mit Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus, rheumatoide Arthritis), da immunmodulierende Effekte möglich sind
- Patienten mit Prostatakrebs, da androgene bzw. hormonelle Effekte theoretisch relevant sind
- Menschen mit Lebererkrankungen oder erhöhten Leberwerten
- Patienten vor geplanten Operationen (wegen sedierender und blutzuckerwirksamer Effekte, Absetzen ca. zwei Wochen vorher besprechen)
Geschlechtsspezifische Risiken: Männer und Frauen
Bei Männern wird Ashwagandha häufig wegen möglicher testosteronsteigernder Effekte beworben. Einige kleine Studien zeigen tatsächlich leichte Testosteronanstiege, die langfristigen Folgen sind jedoch unbekannt. Für Männer mit Prostataerkrankungen oder Prostatakrebs-Risiko besteht daher theoretisches Vorsichtsgebot. Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind nicht hinreichend untersucht.
Besonders riskant ist die Einnahme in der Schwangerschaft – hier besteht der deutlichste Warnhinweis. Auch bei Zyklusstörungen, hormonellen Erkrankungen oder Kinderwunsch sollten Frauen vorher ärztlichen Rat einholen, da die hormonellen Auswirkungen auf den weiblichen Organismus kaum untersucht sind.
Ist Ashwagandha süchtig machend? Abhängigkeit und richtiges Absetzen
Für eine klassische Suchtentwicklung mit Toleranzbildung und Craving gibt es keine wissenschaftliche Evidenz. Ashwagandha gilt nach heutigem Kenntnisstand nicht als süchtig machend. Dennoch berichten manche Nutzer beim Absetzen nach längerer Einnahme von vorübergehenden Effekten wie besserem Stresserleben oder Schlafproblemen – möglicherweise ein Rebound der ursprünglichen Beschwerden, nicht zwingend ein Entzugssyndrom.
Zum richtigen Absetzen empfiehlt sich bei längerer Einnahme ein schrittweises Ausschleichen oder ein gezielter Auslassversuch von zwei bis vier Wochen, um zu beurteilen, ob das Präparat überhaupt einen messbaren Nutzen bringt. Nach dem Absetzen normalisieren sich Cortisol- und Schilddrüsenwerte bei gesunden Menschen erfahrungsgemäß – belastbare Daten dazu fehlen jedoch.
Die Langzeitsicherheit jenseits von drei Monaten ist nicht ausreichend untersucht. Die meisten Studien dauerten vier bis zwölf Wochen. Wer Ashwagandha dauerhaft einnehmen möchte, geht daher ein unkalkulierbares Risiko ein – insbesondere hinsichtlich Leber und Schilddrüse.
Warum empfehlen Ärzte Ashwagandha oft nicht?
Der Hauptgrund ist mangelnde Evidenz statt nachgewiesener Schädlichkeit. Es fehlen große, unabhängige Langzeitstudien; als Nahrungsergänzungsmittel unterliegt Ashwagandha zudem keiner Zulassung durch die FDA oder EMA, das heißt: Wirksamkeit und Sicherheit werden staatlicherseits nicht geprüft. Ärzte können daher keine verlässliche Nutzen-Risiko-Abwägung treffen.
Hinzu kommt ein Qualitätsproblem: Der Withanolid-Gehalt schwankt erheblich zwischen Produkten, manche Präparate enthalten statt Wurzel- auch Blattmaterial, und in der Vergangenheit wurden vereinzelt Verunreinigungen bis hin zu Falschdeklarationen dokumentiert. Wer sich dennoch für Supplemente interessiert, findet in unserem Multivitamin-Ratgeber mit Zutaten, Anwendung und Sicherheit allgemeine Hinweise zur Auswahl geprüfter Produkte.
Produktqualität: Verunreinigungen, Falschdeklaration und sicherere Auswahl
Wurzel- vs. Blattextrakt: Warum der Unterschied zählt
Traditionell und in den meisten Studien verwendet wird der Wurzelextrakt. Blattextrakte enthalten teils andere Wirkstoffprofile und höhere Withanolid-Konzentrationen, zu deren Sicherheit beim Menschen kaum Daten vorliegen. Produktdetails zur verwendeten Pflanzenteil- und Standardisierung sollten daher auf der Packung ausgewiesen sein – fehlen diese Angaben, ist Vorsicht geboten.
Drittanbieter-Prüfungen als Orientierung
Eine unabhängige Laboranalyse durch Drittanbieter (z. B. USP-Verifizierung, NSF-Zertifizierung oder Analyse durch Institute wie ConsumerLab) schließt Risiken nicht aus, reduziert sie aber. Solche Siegel bestätigen zumindest Identität, Gehalt und Abwesenheit ausgewählter Verunreinigungen. Auf ähnliche Weise lassen sich generell Qualität und Sicherheit von Vitaminen und Nährstoffpräparaten besser einschätzen.
Warnsignale: Wann Sie Ashwagandha absetzen sollten
Bestehen Anzeichen einer allergischen Reaktion – Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen von Gesicht oder Atemwegen, Atemnot – sollte die Einnahme sofort beendet und bei Atembeschwerden sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch auftretende Leberwarnzeichen (Gelbsucht, dunkler Urin, starker Juckreiz, Oberbauchbeschwerden), Herzrasen, unerklärlicher Gewichtsverlust, starke emotionale Verflachung oder anhaltende Übelkeit erfordern ein sofortiges Absetzen und eine ärztliche Abklärung.
Als Faustregel gilt: Treten neue, ungewöhnliche oder zunehmende Symptome auf, während Sie Ashwagandha einnehmen, ist das Präparat bis zur Klärung der Ursache zu pausieren. Nicht jedes Symptom hat mit dem Supplement zu tun – aber Ausschluss ist die sichere Strategie.
Sicherere Anwendung: Dosierung, Dauer und Überwachung
In Studien untersuchte Dosierungen liegen typischerweise zwischen 125 und 600 mg standardisiertem Wurzelextrakt täglich. Höhere Dosen erhöhen das Risiko unerwünschter Wirkungen, ohne dass ein zusätzlicher Nutzen belegt ist. Wer Ashwagandha ausprobieren möchte, sollte die niedrigste wirksame Dosis wählen und vorher ärztlichen Rat einholen, insbesondere bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme.
Um Risiken zu begrenzen, empfiehlt sich eine begrenzte Einnahmedauer mit gelegentlichen Pausen – etwa in Zyklen von acht bis zwölf Wochen gefolgt von einer mehrwöchigen Pause. Ob dies die Sicherheit tatsächlich erhöht, ist nicht nachgewiesen, erscheint aber angesichts fehlender Langzeitdaten sinnvoll.
Bei längeren Einnahmezeiträumen können Leber- und Schilddrüsenwerte (GPT, GOT, TSH, ggf. fT3/fT4) vor Beginn und während der Einnahme ärztlich kontrolliert werden. Auf diese Weise lassen sich mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen. Auch bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme ist die vorherige ärztliche Beratung unverzichtbar.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
- Ashwagandha ist nicht risikofrei: Seltene, aber dokumentierte Leberschäden erfordern Wachsamkeit.
- Schilddrüsenhormone können beeinflusst werden; bei Schilddrüsenerkrankungen und L-Thyroxin-Einnahme ist Vorsicht geboten.
- Schwangere und Stillende sollten Ashwagandha nicht einnehmen.
- Mit Sedativa, Diabetes-, Blutdruck- und Immunsuppressiva sowie Alkohol bestehen mögliche problematische Kombinationen.
- Emotionale Verflachung und paradoxe Angst sind in Nutzerberichten beschrieben, aber wissenschaftlich kaum untersucht.
- Langzeitdaten über drei Monate fehlen; begrenzte Einnahmezyklen und Pausen erscheinen sinnvoll.
- Produktqualität variiert stark – Wurzelextrakt und Drittanbieter-Prüfungen sind wichtige Auswahlkriterien.
- Bei Gelbsucht, dunklem Urin, Juckreiz, Herzrasen oder Atemnot: sofort absetzen und ärztlich abklären lassen.
Häufig gestellte Fragen
Warum sollte man mit Ashwagandha vorsichtig sein?
Weil es trotz jahrhundertelanger traditioneller Nutzung nur begrenzte Sicherheitsdaten gibt. Dokumentiert sind seltene Leberschäden, mögliche Schilddrüsenveränderungen und diverse Medikamentenwechselwirkungen. Zudem unterliegen Ashwagandha-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel keiner staatlichen Zulassungsprüfung, sodass Qualität und Dosierung schwanken können.
Welches Organ wird durch Ashwagandha besonders belastet?
Am besten dokumentiert ist die Belastung der Leber. In Fallberichten wurden Leberentzündungen bis hin zu schweren Verläufen beschrieben, meist nach mehrwöchiger Einnahme. Nach dem Absetzen erholteten sich die Betroffenen in der Regel. Auch die Schilddrüse kann betroffen sein, da Ashwagandha die Schilddrüsenhormonproduktion möglicherweise anregt.
Was sollte man niemals mit Ashwagandha kombinieren?
Kritisch sind Kombinationen mit Beruhigungs- und Schlafmitteln, Diabetes- und Blutdruckmedikamenten, L-Thyroxin, Immunsuppressiva, Antiepileptika sowie serotonergen Antidepressiva. Auch Alkohol sollte gemieden werden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme von Ashwagandha immer vorher mit Arzt oder Apotheker besprechen.
Warum empfehlen Ärzte Ashwagandha nicht?
Vor allem wegen der begrenzten Studienlage: Es fehlen große, unabhängige Langzeituntersuchungen zur Sicherheit. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Ashwagandha nicht von der FDA oder EMA zugelassen. Dazu kommen Qualitätsprobleme wie schwankende Wirkstoffgehalte und vereinzelt Verunreinigungen, die eine verlässliche Nutzen-Risiko-Bewertung erschweren.
Kann Ashwagandha die Leber schädigen?
Ja, das ist möglich, wenn auch selten. Weltweit sind mehrere Dutzend Fälle von Leberschädigung im Zusammenhang mit Ashwagandha-Präparaten beschrieben. Gelbsucht, dunkler Urin, starker Juckreiz oder Druck im rechten Oberbauch sind Warnsignale, bei denen die Einnahme sofort beendet und ärztliche Hilfe gesucht werden sollte.
Beeinflusst Ashwagandha die Schilddrüsenhormone?
Ja, in Fallberichten und kleineren Studien wurden erhöhte Schilddrüsenhormonwerte, vereinzelt mit Symptomen einer Überfunktion (Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsverlust), beschrieben. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen oder L-Thyroxin-Therapie sollten Ashwagandha daher nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
Ist Ashwagandha süchtig machend?
Für eine klassische Abhängigkeit mit Toleranzentwicklung oder Entzugssyndrom gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise. Nach längerer Einnahme können beim Absetzen allerdings vorübergehende Beschwerden wie Schlafprobleme auftreten. Ein schrittweises Ausschleichen oder ein Auslassversuch hilft, den tatsächlichen Nutzen zu bewerten.
Kann Ashwagandha Angstzustände verstärken?
Ja, das wird von einzelnen Anwendern berichtet – paradoxerweise trotz der eigentlich beruhigenden Wirkung. Solche individuellen Reaktionen sind wissenschaftlich kaum untersucht, aber plausibel. Treten Unruhe, Herzrasen oder verstärkte Angst während der Einnahme auf, spricht das für ein Absetzen.
Kann Ashwagandha emotionale Taubheit verursachen?
Nutzerberichte schildern gelegentlich emotionale Verflachung, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit. Als mögliche Erklärung wird die cortisol-senkende Wirkung diskutiert – belegt ist dieser Zusammenhang jedoch nicht. Wer solche Empfindungen entwickelt, sollte die Einnahme pausieren und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
Ist Ashwagandha dauerhaft zur täglichen Einnahme sicher?
Das lässt sich nicht bejahen. Die meisten Studien dauerten höchstens zwölf Wochen; Langzeitdaten jenseits von drei Monaten fehlen weitgehend. Angesichts möglicher Leber- und Schilddrüsenwirkungen erscheint eine begrenzte Einnahmedauer mit Pausen und ärztlicher Kontrolle risikoärmer als eine unbegrenzte Dauertherapie.
Kann man Ashwagandha in der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Nein, davon wird ausdrücklich abgeraten. Es fehlen Sicherheitsdaten für Ungeborene und Säuglinge, und Tierstudien sowie traditionelle Hinweise deuten auf mögliche Risiken für den Schwangerschaftsverlauf hin. Stillende und Schwangere sollten auf Ashwagandha vollständig verzichten.
An welchen Anzeichen erkenne ich, dass Ashwagandha nicht zu mir passt?
Warnsignale sind anhaltende Übelkeit oder Oberbauchbeschwerden, Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, starker Juckreiz, Herzrasen, ungewöhnliche Müdigkeit, emotionale Taubheit, verstärkte Angst oder allergische Reaktionen. In diesen Fällen sollte die Einnahme sofort beendet und – besonders bei Leber- oder Atemsymptomen – zeitnah ärztliche Abklärung erfolgen.
Fazit
Die dunkle Seite von Ashwagandha besteht weniger in einer einzelnen, häufigen Gefahr als in einer Kombination aus seltener, aber schwerer Lebertoxizität, möglichen Schilddrüsen- und hormonellen Effekten, Medikamentenwechselwirkungen und unzureichenden Langzeitdaten. Die Wirkung und Verträglichkeit unterscheiden sich zudem individuell erheblich – was für den einen gut verträglich ist, kann für den anderen problematisch sein.
Ashwagandha kann als pflanzliches Supplement eine Option sein, wenn Stress bewältigt werden soll – ohne jedoch gesunde Grundgewohnheiten wie Schlaf, Bewegung und ausgewogene Ernährung zu ersetzen und ohne eine medizinische Behandlung zu substituieren. Wer Vorerkrankungen hat, Medikamente einnimmt oder schwanger ist, sollte vorher mit Arzt oder Apotheker sprechen. Bei Warnsymptomen gilt: sofort absetzen und ärztlich abklären lassen.
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